Die kommerzielle Raumfahrt ist längst keine Science-Fiction mehr, sondern ein knallharter Milliardenmarkt, der bis 2040 gigantische Ausmaße annehmen könnte. Doch wer hier investieren will, steht vor einer fundamentalen Entscheidung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten. Auf der einen Seite: Rocket Lab, der etablierte Infrastruktur-Dienstleister, der gerade von Erfolg zu Erfolg eilt. Auf der anderen Seite: Virgin Galactic, der Pionier für Weltraumtourismus, der ums finanzielle Überleben kämpft.
Die jüngsten Ereignisse haben diesen Kontrast noch verschärft. Während Rocket Lab durch neue Großaufträge und operative Erfolge an der Börse neue Höchststände erklimmt, muss Virgin Galactic jeden Dollar zweimal umdrehen. Das Unternehmen navigiert durch eine kritische Phase bis zum geplanten Start der neuen Raumschiff-Klasse im Jahr 2026. Es ist das klassische Duell an der Börse: Greifbare Substanz gegen reine Fantasie.
Arbeitspferd oder Luxus-Trip?
Rocket Lab hat sich längst als das verlässliche „Arbeitspferd“ der Branche etabliert. Der Fokus liegt klar auf dem B2B- und Regierungsgeschäft. Mit der Electron-Rakete dominiert das Unternehmen den Markt für kleine Satellitenstarts – allein im Jahr 2025 wurden 21 Missionen erfolgreich absolviert. Doch Rocket Lab ist mehr als nur ein Taxi ins All; als End-to-End-Anbieter fertigt man inzwischen eigene Satelliten und Komponenten. Wichtige Regierungsaufträge bestätigen diese Strategie eindrucksvoll.
Ganz anders positioniert sich Virgin Galactic. Hier geht es nicht um Fracht, sondern um das Erlebnis. Das Geschäftsmodell basiert darauf, einen Markt für privaten Weltraumtourismus überhaupt erst zu erschaffen. Aktuell fließt jedoch kaum Geld in die Kassen. Der Erfolg hängt am seidenen Faden der neuen „Delta Class“-Flotte, die erst Ende 2026 abheben soll. Anleger kaufen hier keine laufenden Einnahmen, sondern die Hoffnung auf einen zukünftigen Hype.
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Technologie: Bewährtes gegen Visionäres
Bei der Technologie scheiden sich die Geister. Rocket Lab punktet mit bewährter Exekution. Die Zuverlässigkeit der Electron-Rakete ist das Fundament, auf dem nun der nächste große Sprung aufbaut: die wiederverwendbare Neutron-Rakete. Ihr Erstflug wird für dieses Jahr erwartet und ist der Schlüssel, um auch schwerere Nutzlasten zu transportieren und Marktanteile massiv auszubauen.
Virgin Galactic setzt hingegen auf sein einzigartiges Luftstart-System via Trägerflugzeug. Doch die technische Innovation ist hier noch ein Versprechen. Alles steht und fällt mit der Delta-Klasse. Diese Raumschiffe müssen eine hohe Flugfrequenz ermöglichen, damit das Unternehmen überhaupt profitabel werden kann. Derzeit befindet man sich noch mitten in der Produktion und den Tests – eine Phase voller technischer Risiken.
Wachstum: Wer liefert Zahlen?
Die Wachstumsstorys könnten unterschiedlicher kaum sein. Rocket Lab liefert greifbare Ergebnisse. Angetrieben vom boomenden Geschäft mit Raumfahrtsystemen füllen sich die Auftragsbücher rasant. Marktbeobachter trauen dem Unternehmen für 2026 Umsätze nahe der 900-Millionen-Dollar-Marke zu. Der jüngste Kursanstieg spiegelt das wachsende Vertrauen wider, dass hier ein strategisch wichtiger Player heranwächst.
Bei Virgin Galactic ist das Wachstum reine Zukunftsmusik. Die Umsätze sind minimal, während der „Cash Burn“ bei rund 90 bis 110 Millionen Dollar pro Quartal liegt. Da kommerzielle Flüge erst spät im Jahr starten sollen, läuft ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die eigene Liquidität. Verzögerungen könnten teuer werden und Anleger durch notwendige Kapitalerhöhungen weiter verwässern.
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Finanzkennzahlen & Performance im Vergleich
| Kennzahl | Rocket Lab USA (RKLB) | Virgin Galactic (SPCE) |
|---|---|---|
| Marktkapitalisierung | ~51,4 Mrd. USD | ~227 Mio. USD |
| Umsatz (letzte 12 Monate) | ~554,5 Mio. USD | ~1,7 Mio. USD |
| Analysten-Konsens | Moderater Kauf (Buy) | Halten / Reduzieren |
| Aktuelle Entwicklung | Kurszielanhebung auf 105 USD durch Großbank; starke Dynamik. | Ausgabe von Aktienoptionen an neue Mitarbeiter; Fokus auf Kosteneffizienz. |
Bewertung: Substanz trifft auf Hoffnung
Wer Rocket Lab kauft, bezahlt für reales Wachstum und einen klaren Pfad zur Profitabilität. Selbst nach der jüngsten Rallye wirkt die Bewertung durch die Umsatzprognosen von über 1,2 Milliarden Dollar für 2027 unterfüttert. Das Risiko liegt hier primär in der operativen Umsetzung der neuen Neutron-Rakete. Doch das Unternehmen steht auf einem soliden Fundament aus bereits existierenden, umsatzstarken Geschäftsbereichen.
Virgin Galactic bleibt dagegen eine hochspekulative Wette. Die Bewertung hat sich von fundamentalen Kennzahlen entkoppelt und basiert rein auf der Hoffnung, dass der Tourismus-Markt zündet. Das Risiko ist hier existenziell: Das Geld muss reichen, bis die Delta-Flotte Geld verdient. Scheitert dieser Plan, droht der Absturz. Die Aktie reagiert daher extrem sensibel auf jede Nachricht zum Zeitplan.
Fazit: Wer gewinnt das Rennen?
Langfristig sitzt Rocket Lab am längeren Hebel. Das diversifizierte Geschäftsmodell und die unverzichtbare Rolle in der Satelliten-Industrie schaffen einen breiten Burggraben. Mit der Neutron-Rakete steigt man zudem in eine neue Gewichtsklasse auf und fordert die etablierten Größen heraus.
Für Virgin Galactic gilt das Prinzip „Alles oder Nichts“. Gelingt der kommerzielle Durchbruch und die Etablierung des Weltraumtourismus, könnte eine völlig neue Industrie entstehen. Doch bis dahin ist der Weg steinig und voller finanzieller Hürden. Während Rocket Lab Schritt für Schritt zum Raumfahrt-Konzern reift, bleibt Virgin Galactic vorerst ein Ticket für Mutige mit starken Nerven.
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