Die Aktie von Royal Caribbean erholt sich mit einem Tagesplus von 4,9 Prozent auf 224,00 Euro spürbar von ihrem jüngsten Rücksetzer. Auslöser für die Gegenbewegung sind Hochstufungen zweier großer Investmentbanken, die den vorangegangenen Kursverlust nach der Ankündigung eines milliardenschweren Zukaufs als übertrieben betrachten.

Analysten werten jüngste Kursverluste als Einstiegschance

Sowohl Bank of America als auch die Deutsche Bank hoben ihre Einstufung für den Kreuzfahrtkonzern am Montag auf „Buy“ an. Zuvor war das Papier seit Anfang August um rund 26 Prozent abgerutscht, während der US-Leitindex S&P 500 im selben Zeitraum stagnierte.

Chris Woronka, Analyst bei der Deutschen Bank, bezeichnete diesen Einbruch als überzogen und bekräftigte ein Kursziel von 299 US-Dollar. Nach seiner Einschätzung bieten die aktuellen Bewertungsniveaus einen attraktiven Einstiegszeitpunkt.

Die Bank of America beließ ihr Kursziel unterdessen unverändert bei 330 US-Dollar. Nach dem deutlichen Kursrückgang liege die Bewertung des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2027 bei unter 10-mal EV/EBITDA, verglichen mit einem jüngsten historischen Durchschnitt von etwa 12-mal.

Milliardeninvestition in Sandals Resorts im Fokus

Hauptauslöser für die vorangegangene Verkaufswelle war die Bekanntgabe einer umfassenden Expansion an Land. Royal Caribbean hatte am 23. September vereinbart, für rund drei Milliarden US-Dollar einen Anteil von 50 Prozent an Sandals und Beaches Resorts zu erwerben.

Die verbleibende Hälfte verbleibt im Besitz der Gründerfamilie Stewart. Der Abschluss der Transaktion, die den Resortbetreiber insgesamt mit sechs Milliarden US-Dollar bewertet, ist für Anfang 2027 geplant und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Die Deutsche Bank bewertete diesen strategischen Schritt positiv und hält die Vereinbarung für wirtschaftlich sinnvoll. Auch die Bank of America sieht mittelfristig Ertragspotenzial in der Partnerschaft. Zudem verwies das Institut auf die solide Bilanz des Konzerns mit Investment-Grade-Status sowie eine Absicherung von mehr als der Hälfte des Treibstoffbedarfs für das Jahr 2027.

Operative Aussichten bleiben positiv

Neben der Transaktion stützen robuste Reisetrends die Zuversicht der Experten. Nach Angaben der Bank of America zogen die Konsumausgaben für Kreuzfahrten im Juli und August wieder im mittleren zweistelligen Prozentbereich an. Für das vierte Quartal 2026 stellt das Institut ein Nettorenditewachstum von mindestens vier Prozent in Aussicht.

Auch das Kostenumfeld bleibt nach Einschätzung der Analysten beherrschbar. Nach Berechnungen der Deutschen Bank machen die Treibstoffkosten selbst auf aktuellem Preisniveau lediglich rund sieben Prozent des Konzernumsatzes aus. Gelingt es dem Unternehmen, den Zukauf wie geplant umzusetzen und das Momentum bei den Passagierzahlen aufrechtzuerhalten, könnte der jüngste Ausverkauf das Fundament für eine dauerhafte Bodenbildung gelegt haben.