Royal Caribbean steigt ins Geschäft mit All-Inclusive-Resorts ein. Der Kreuzfahrtkonzern hat eine Vereinbarung unterzeichnet, mit der er 50 Prozent an Sandals Resorts übernimmt — für rund 3 Milliarden Dollar. Die Bewertung der Karibik-Kette liegt damit bei etwa 6 Milliarden Dollar.
Die Nachricht kam nicht überraschend, sorgte an der Börse aber trotzdem für Bewegung. Bereits als erste Berichte über die Gespräche kursierten, fiel die Aktie um rund 6 Prozent und markierte im Zuge dessen ein neues 52-Wochen-Tief bei etwas über 232 Dollar.
Über die vergangenen zwölf Monate steht damit ein Kursrückgang von mehr als 20 Prozent zu Buche — Royal Caribbean hatte zuletzt die Wachstumsprognosen wegen schwächerer Nachfrage nach Europa-Routen gesenkt.
Warum Royal Caribbean auf Landurlaub setzt
Der Deal passt in eine längerfristige Strategie: Weg vom reinen Kreuzfahrtgeschäft, hin zum Anbieter kompletter Urlaubserlebnisse. Der Konzern betreibt bereits private Destinationen wie Perfect Day und baut mit den Marken Royal Caribbean, Celebrity Cruises und Silversea sowie der Beteiligung an TUI Cruises ein breites Portfolio auf.
Sandals und die Familienmarke Beaches bringen mehr als ein Dutzend Resorts in der Karibik mit — und damit genau die Landkomponente, die im Portfolio bislang fehlte.
Vorstandschef Jason Liberty sprach von einem wichtigen nächsten Schritt, um aus dem „Urlaub fürs Leben“ ein „Leben voller Urlaube“ zu machen. Die Finanzierung steht über eine zugesagte Fremdkapitallinie von Morgan Stanley, der Abschluss der Transaktion wird für Anfang 2027 erwartet. Das Management rechnet damit, dass sich der Zukauf bereits im kommenden Jahr positiv auf den Gewinn auswirkt.
Operativ lief das Geschäft zuletzt eigentlich solide: Im zweiten Quartal 2026 verdiente Royal Caribbean 4,21 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen der Analysten von 3,93 Dollar. UBS bekräftigte danach ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 367 Dollar, während Freedom Broker die Aktie wegen der Bewertung auf „Hold“ zurückstufte, das Kursziel aber auf 351 Dollar anhob.
Der Widerspruch zwischen starken operativen Zahlen und dem Kursrückgang zeigt, wie skeptisch der Markt milliardenschwere Diversifizierungsschritte aktuell bewertet. Ob sich die Wette auf das All-Inclusive-Geschäft auszahlt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Transaktion Anfang 2027 abgeschlossen ist und erste Zahlen zur gemeinsamen Wertschöpfung vorliegen.
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