Der Energiekonzern Shell richtet seine Prioritäten verstärkt auf die Steigerung von Aktionärsrenditen aus, um den Bewertungsabstand zu US-Konkurrenten zu verringern. Konzernchef Wael Sawan stellt Ausschüttungen und striktere Ausgabendisziplin vor reines Mengenwachstum.

In einer aktuellen Analyse hob Allen Good von Morningstar den fairen Wert des Unternehmens vor dem Hintergrund gestiegener Rohstoffpreise an. Geringere Investitionsausgaben und höhere Ausschüttungen seien wichtige Schritte zur Wertsteigerung.

An der Börse spiegelte sich der strategische Kurs in den vergangenen Monaten positiv wider. An der New Yorker Börse schloss das Papier am Mittwoch bei 47,25 US-Dollar. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Kursplus von 27 Prozent und notiert damit nur noch 5,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 49,85 US-Dollar.

Geteilte Kursziele unter Analysten

In der Finanzbranche stößt die Entwicklung auf ein überwiegend positives, wenn auch differenziertes Echo. Der Marktkonsens stuft den Titel bei zwölf beobachtenden Analysehäusern mit „Moderate Buy“ ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 3.775 Pence.

Die Analysten von JPMorgan passten ihre Erwartungen zuletzt an und senkten ihr Kursziel von 3.900 auf 3.600 Pence, halten jedoch an ihrer Einstufung mit „Overweight“ fest. Weitere Schätzungen am Markt reichen in der Spitze bis zu Kurszielen von 4.500 Pence, während ein Teil der Experten neutrale Positionen vertritt.

Investitionsentscheidung für LNG Canada Phase 2

Parallel zur finanziellen Disziplin treibt der Konzern ausgewählte Großprojekte im Segment verflüssigtes Erdgas (LNG) voran. Shell erteilte die finale Investitionsentscheidung für die zweite Phase des Projekts LNG Canada.

Durch die Erweiterung soll die Gesamtkapazität der Anlage auf rund 28 Millionen Tonnen LNG pro Jahr anwachsen. Das Flüssiggasgeschäft bildet traditionell einen zentralen Pfeiler der Ertragskraft des Konzerns, dessen Raffinerie- und Verarbeitungssparten zuletzt von einer hohen Anlagenauslastung profitierten.

Kontinuierlicher Rückkauf eigener Anteilsscheine

Einen wesentlichen Baustein der Aktionärsvergütung bilden die fortlaufenden Rückkäufe von Anteilsscheinen am Markt. Im Rahmen des am 30. Juli angekündigten Programms erwarb das Unternehmen am Mittwoch weitere 1.150.000 Aktien an der Londoner Börse sowie 518.094 Papiere an der Euronext Amsterdam, jeweils zum Zweck der anschließenden Einziehung. Die Transaktionen werden bis einschließlich 23. Oktober unabhängig von Goldman Sachs International innerhalb festgelegter Parameter ausgeführt.

Mit dem Abschluss des Monats September meldete das Unternehmen gestern eine Gesamtzahl von 5.729.497.530 ausgegebenen Stammaktien mit entsprechend ebenso vielen Stimmrechten.

Eigene Anteile hält der Konzern derzeit nicht im Bestand, da die zurückgekauften Papiere fortlaufend aus dem Verkehr gezogen werden. Die stetige Verringerung der ausstehenden Stückzahl soll den Gewinn je Aktie stützen, sofern die operativen Mittelzuflüsse das Niveau der Ausschüttungen weiterhin decken.