Zweimal in einem Jahr die eigenen Ziele anzuheben, ist selbst für Rüstungskonzerne keine Selbstverständlichkeit. RTX schafft genau das — und die Börse honoriert es mit einem Kurssprung von mehr als sieben Prozent im frühen US-Handel.
Der Mutterkonzern von Raytheon, Collins Aerospace und Pratt & Whitney hat seine Jahresprognose für 2026 zum zweiten Mal nach oben korrigiert. Schon im April hatte Konzernchef Chris Calio die Ziele angehoben, nun folgt der nächste Schritt: Der bereinigte Umsatz soll 2026 zwischen 95 und 96 Milliarden Dollar liegen — jeweils 2,5 Milliarden mehr als bisher in Aussicht gestellt. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 7,10 und 7,35 Dollar erreichen, ebenfalls über der vorherigen Spanne.
Zweites Quartal übertrifft Erwartungen
Grundlage der neuen Zuversicht sind starke Zahlen zum zweiten Quartal. RTX steigerte den Umsatz um 14 Prozent auf 24,7 Milliarden Dollar. Der Überschuss legte um 29 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar zu — ein deutliches Plus, das über den Markterwartungen lag.
Getragen wird das Wachstum von allen drei Sparten. Raytheon liefert Rüstungsgüter wie die Patriot-Flugabwehrsysteme, die derzeit im Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland ebenso zum Einsatz kommen wie in Nahost gegen iranische Angriffe auf Golfstaaten. Die geopolitische Lage sorgt damit für anhaltend hohe Nachfrage nach Verteidigungstechnik.
Collins liefert Technik für die zivile Luftfahrt, von Rumpfteilen bis Passagiersitzen. Pratt & Whitney baut zusammen mit Partnern wie dem deutschen Zulieferer MTU Antriebe für die gefragte A320neo-Reihe von Airbus. Der Triebwerksbauer stand zuletzt in der Kritik, weil Airbus-Chef Guillaume Faury Lieferengpässe bei den Turbinen bemängelt hatte — ausgerechnet dieser Engpass verhindert nach seiner Darstellung, dass Airbus die Flugzeugproduktion so stark ausbauen kann wie geplant.
Die Kombination aus robuster Rüstungsnachfrage und einer sich erholenden zivilen Luftfahrt gibt RTX aktuell zwei Wachstumstreiber gleichzeitig. Ob sich das Tempo der Zielanhebungen im weiteren Jahresverlauf fortsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie schnell Pratt & Whitney seine Lieferrückstände bei den Triebwerken abbauen kann.
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