Liebe Leserinnen und Leser,
mehr als 20 Milliarden Euro Auftragsvolumen bei Thyssenkrupps Marinesparte TKMS, eine FDA-Entscheidung bei Roche mit Termin am 9. Oktober, eine TSMC-Dividende, die um über 30 Prozent steigt: Drei völlig unterschiedliche Branchen liefern diese Woche etwas, das an den Märkten selten geworden ist – belastbare, verifizierbare Fakten statt Zins- und Index-Spekulation. Während gestern noch SK Hynix und Gold die Schlagzeilen bestimmten, lohnt der Blick auf Rüstung, Onkologie und Halbleiter-Lieferkette, weil hier die Auftragsbücher selbst die Geschichte erzählen.
Rheinmetall und Thyssenkrupp: Die Auftragsbücher als Beweis
Rheinmetall wird ab 2027 im niedersächsischen Unterlüß mit der Fertigung von ATACMS-Raketensystemen beginnen – ein weiterer Baustein im Ausbau der deutschen Munitionsproduktion, der zeigt, dass der europäische Rüstungshochlauf keine Ankündigungspolitik mehr ist, sondern konkrete Standortentscheidungen produziert.
Noch deutlicher wird das bei Thyssenkrupp. Über die Marinesparte TKMS ist das Auftragsvolumen inzwischen auf mehr als 20 Milliarden Euro angewachsen, zuletzt kräftig befeuert durch einen historischen U-Boot-Auftrag aus Kanada. Der Konzern zieht daraus die logische Konsequenz: Ein Spin-off der Stahlsparten-Tochter tk accelis soll das margenstarke Marine- und Rüstungsgeschäft künftig sauber vom zyklischen Stahlgeschäft trennen. Für Anleger in europäischen Verteidigungstiteln ist das die eigentliche Nachricht – nicht die nächste Exportmeldung, sondern die Tatsache, dass ein Traditionskonzern sein Geschäftsmodell rund um den Rüstungsboom neu zuschneidet.
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Roche, Merck und Gilead: Der Zulassungskalender wird zum Kurstreiber
In der Onkologie überschlagen sich derweil die FDA-Entscheidungen. Roche hat die Zulassung für seinen VENTANA-PTEN(SP218)-Begleittest bei Prostatakrebs erhalten, doch der eigentlich relevante Termin liegt noch vor uns: Am 9. Oktober 2026 entscheidet die Behörde über Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie bei fortgeschrittenem Darmkrebs. Die Grundlage dafür liefert die Alliance-ATOMIC-Studie, die bei Darmkrebs im Stadium III eine Reduktion von Rückfall- und Sterberisiko um 50 Prozent zeigte – ein Wert, der die Erwartungen an den Herbst entsprechend hochhält. Operativ bestätigt Roche das Bild: Der Quartalsumsatz stieg um 7 Prozent, der Kern-Betriebsgewinn um 13 Prozent, getragen vom Pharmageschäft. Der Halbjahresbericht folgt am 23. Juli, doch bis dahin bleibt die Tecentriq-Entscheidung im Herbst der eigentliche Kurstreiber.
Die Konkurrenz schläft nicht. Die FDA hat Merck & Co.s Keytruda sowie die neue Formulierung Keytruda QLEX in Kombination mit Padcev für die Behandlung von muskelinvasivem Blasenkrebs zugelassen – gestützt auf die Phase-3-Studie KEYNOTE-B15/EV-304 mit einer 47-prozentigen Verbesserung des ereignisfreien Überlebens. Der Markt reagierte trotzdem nüchtern: Die Merck-Aktie fiel am 10. Juli um 1,08 Prozent auf 123,72 US-Dollar, während Morgan Stanley und RBC Capital an ihrer konstruktiven Einschätzung festhalten. Das ist ein Muster, das Anleger kennen sollten: Eine Zulassung allein bewegt selten den Kurs, wenn sie bereits eingepreist war.
Gilead Sciences wiederum sicherte sich die Zulassung für Trodelvy als Erstlinienbehandlung bei metastasiertem dreifach negativem Brustkrebs – unabhängig vom PD-L1-Status. Die im New England Journal of Medicine veröffentlichten ASCENT-04-Daten zeigen in Kombination mit Keytruda eine 35-prozentige Risikoreduktion gegenüber der Standardtherapie, weitere Zulassungsanträge bei FDA und EMA laufen bereits. Am Rand dieser Onkologie-Woche bleibt der Kontrast zu Novo Nordisk sichtbar: Der Börsenwert des dänischen Konzerns ist seit Juni 2024 um rund 480 Milliarden US-Dollar eingebrochen, nachdem Eli Lillys Tirzepatid im Gewichtsverlust-Wettbewerb die Oberhand gewann und die eigene Kandidatin CagriSema im Februar scheiterte. Novo Nordisk selbst rechnet für 2026 mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang von 4 bis 12 Prozent – ein Warnsignal dafür, wie schnell Pipeline-Rückschläge in der Pharmabranche Bewertungen kippen können, während bei der Konkurrenz die Zulassungen nur so hereinkommen.
TSMC und Nvidia: Der Halbleiter-Superzyklus bekommt neue Beweise
Auch in der Chipbranche liefert diese Woche mehr als Stimmung. TSMC-Chef C.C. Wei bezifferte auf der Hauptversammlung Anfang Juni den Q1-Umsatz auf 1.134,1 Milliarden Taiwan-Dollar bei einem Nettogewinn von 572,48 Milliarden – für das laufende Quartal stellt der Konzern einen Umsatz zwischen 39 und 40,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht, bei einer Bruttomarge von 65,5 bis 67,5 Prozent. Getragen wird das von der Nachfrage nach Advanced-Process-Kapazitäten für KI-Anwendungen, honoriert wurde es mit einer Dividendenanhebung um mehr als 30 Prozent.
Nvidia nutzte die GTC Taipei parallel für den offiziellen Einstieg in den PC-Chipmarkt: Die neuen RTX-Spark-Superchips laufen künftig in Windows-Geräten von Dell und Lenovo, dazu präsentierte Jensen Huang das KI-Modell Nemotron 3 Ultra sowie die bereits in Serienproduktion befindliche Vera-Rubin-Plattform. Wie sehr die globale Rechenleistung-Nachfrage diesen Zyklus trägt, zeigt ein einzelner Indikator: Die taiwanesische Börse legte binnen eines Jahres um 109 Prozent zu.
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Wie eng die Zulieferkette daran hängt, war Thema im Podcast „Glaser & Spang“ auf wallstreetONLINE, der Micron, Nvidia und TSMC in den Fokus nahm und SUSS MicroTec als Maschinenlieferant dieser Kunden nannte – konkrete Finanzkennzahlen fielen dabei nicht. Wer die Aktie beobachtet, sollte deshalb auf die kommenden Quartalszahlen warten, statt aus der bloßen Erwähnung Rückschlüsse zu ziehen.
Eine Randnotiz aus China mahnt zusätzlich zur Vorsicht: Die auf Testgeräte für Hochgeschwindigkeits-Optikmodule spezialisierte Lianxun Instruments ist seit ihrem IPO im April um das 27-Fache gestiegen und kletterte am 8. Juni um weitere 6,99 Prozent auf 2.295 Yuan – als erste Aktie am STAR Market über der 2.000-Yuan-Marke. Wie schnell solche Kurssprünge kippen können, zeigt der Fall von Fuxin Technology: Das Unternehmen musste Ende Juni öffentlich klarstellen, dass ein online kursierender Artikel über angebliche Großaufträge frei erfunden war. Für Anleger in china-nahen Halbleiterwerten bleibt das die Erinnerung, jede Einzelmeldung zu verifizieren, bevor daraus eine Position wird.
Quintessenz
Drei Branchen, ein gemeinsames Muster: Rheinmetall und Thyssenkrupp liefern mit über 20 Milliarden Euro Auftragsvolumen handfeste Substanz, Roche steuert mit dem 9. Oktober auf einen konkreten Zulassungstermin zu, und TSMC untermauert den Halbleiter-Zyklus mit einer Dividendenanhebung von mehr als 30 Prozent. Das ist mehr verwertbare Information, als der nächste Punktestand eines Leitindex liefern kann – vorausgesetzt, man lässt sich nicht von Kurssprüngen wie bei Lianxun Instruments oder erfundenen Meldungen wie bei Fuxin Technology blenden. Wer diese Woche handelt, sollte sich an die Auftragsbücher halten, nicht an die Schlagzeilen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst,
Ihr Andreas Sommer
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