Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat sich frisches Geld für den Netzausbau besorgt. An dem Unternehmen hält Rwe rund 58 Prozent. Die Platzierung fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung die Spielregeln der Energiewende neu schreiben will und die Länder dagegen protestieren.

Anleihen decken Finanzbedarf für 2026

Amprion hat grüne Anleihen über 1,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt untergebracht. Sie verteilen sich auf zwei gleich große Tranchen mit sechs und zehn Jahren Laufzeit. Die jährlichen Zinskupons liegen bei 4,398 und 4,838 Prozent.

Damit ist laut Unternehmen der für 2026 über Anleihen geplante Finanzierungsbedarf gedeckt. Die Mittel sollen ausschließlich in nachhaltige Projekte fließen, konkret in den Aus- und Umbau des Übertragungsnetzes.

Für Rwe ist das ein Baustein am Rande, aber kein unwichtiger. Ein gut finanziertes Netz ist die Voraussetzung dafür, dass der Zubau von Wind- und Solarkraft überhaupt beim Verbraucher ankommt.

Politischer Gegenwind aus Kiel

Genau an dieser Stelle setzt die laufende Reformdebatte an. Das Bundeswirtschaftsministerium plant ein Netzpaket, das den Ausbau erneuerbarer Anlagen besser mit dem Netzausbau abstimmen soll. Ziel sind niedrigere Kosten im System.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther warnt Kanzler Friedrich Merz in einem Brief vor den Folgen. Besonders den sogenannten Redispatchvorbehalt lehnt er ab. Demnach sollen Wind- und Solaranlagen in Netzengpassgebieten für abgeregelten Strom nicht mehr komplett entschädigt werden. Günther nennt das ein „verheerendes Signal“ für Projektierer, Banken und Kommunen und erwartet steigende statt sinkende Kosten.

Für einen Erzeuger wie Rwe, der Wind- und Solarparks betreibt, berührt eine geringere Entschädigung bei Abregelung die Kalkulation neuer Projekte. Konkrete Auswirkungen auf den Konzern sind bislang nicht beziffert. Der Entwurf ist zudem noch nicht beschlossen.

Aktie bleibt unter Analystenzielen

Die Aktie notierte zuletzt bei rund 58,74 Euro, ein Minus von 0,78 Prozent im Tradegate-Handel. Die Analystenziele liegen zwischen 68 und 75 Euro und damit deutlich darüber. Die Dividende für 2026 beträgt 1,20 Euro je Aktie.

Ob Berlin das Netzpaket nach Günthers Kritik noch anpasst, entscheidet sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren. Die Länder haben dabei über den Bundesrat ein Wort mitzureden.