RWE hat am Mittwoch vorläufige Zahlen zum ersten Halbjahr vorgelegt — und die fielen deutlich besser aus als vom Markt erwartet. Ein Sonderposten aus den Niederlanden spielte dabei eine überraschend große Rolle. Der Essener Energiekonzern nutzte die starken Zahlen gleich, um die Prognose für die laufenden zwei Geschäftsjahre anzuheben.
Entschädigung aus Eemshaven treibt das Ergebnis
Im ersten Halbjahr stieg das bereinigte Nettoergebnis auf 1,257 Milliarden Euro beziehungsweise 1,77 Euro je Aktie. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 792 Millionen Euro oder 1,08 Euro je Aktie gewesen. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 3,011 Milliarden Euro, nach 2,092 Milliarden im ersten Halbjahr 2025.
Besonders auffällig: Das Segment Flexible Erzeugung verdoppelte sein EBITDA nahezu, von 606 Millionen auf 1,025 Milliarden Euro. Der Haupttreiber war eine Entschädigungszahlung von 332 Millionen Euro des niederländischen Staates. Sie kompensiert Verluste, die RWE erlitten hatte, weil das Kohlekraftwerk Eemshaven 2022 wegen einer gesetzlichen Beschränkung nur eingeschränkt Strom produzieren durfte. Neben diesem Einmaleffekt lieferten auch die Segmente Onshore/Solar und Energiehandel eine starke operative Performance.
Ausblick für 2026 und 2027 angehoben
Auf Basis der starken ersten sechs Monate schraubt RWE seine Ziele nach oben. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern nun mit einem bereinigten EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro, zuvor lag die Spanne bei 5,2 bis 5,8 Milliarden. Beim bereinigten Nettoergebnis peilt das Unternehmen 1,95 bis 2,45 Milliarden Euro an, verglichen mit bislang 1,55 bis 2,05 Milliarden.
Auch für 2027 fällt die neue Prognose optimistischer aus: Das EBITDA-Ziel steigt auf 6,7 bis 7,3 Milliarden Euro, das Nettoergebnis auf 2,2 bis 2,7 Milliarden. CFO Michael Müller verwies darauf, dass für die zweite Jahreshälfte zusätzliche positive Beiträge aus der aufgestockten Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion sowie aus dem internationalen Kraftwerksgeschäft erwartet werden. Auch höhere Rohstoffpreise sollen die Ergebnisse stützen.
Bei der Dividende bleibt RWE auf Kurs: Das Unternehmen bestätigte das Ziel von 1,32 Euro je Aktie für das laufende Geschäftsjahr und bekräftigte die Ambition, die Ausschüttung bis 2031 jährlich um 10 Prozent zu steigern.
Die vollständigen Halbjahreszahlen will RWE am 13. August veröffentlichen. Dann dürfte sich zeigen, wie nachhaltig die operative Stärke in den Kernsegmenten jenseits des niederländischen Sondereffekts tatsächlich ist.
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