RWE erhöht die Investitionen kräftig – und die Anleger reagieren positiv statt besorgt. Der Essener Energiekonzern steckt in diesem Jahr deutlich mehr Geld in den Ausbau seines Geschäfts als ursprünglich geplant. Grund ist der Einstieg beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion.
Amprion treibt die Zahlen
RWE bestätigte am Donnerstag die bereits Ende Juli veröffentlichten vorläufigen Halbjahreszahlen. Unter Einbeziehung der Amprion-Transaktion plant der Konzern nun mit Nettoinvestitionen von 9 bis 11 Milliarden Euro für das laufende Jahr – bislang waren 6 bis 8 Milliarden Euro vorgesehen. Bis 2031 sollen netto 42 Milliarden Euro investiert werden, rund 7 Milliarden Euro davon fließen in den Netzausbau.
Im ersten Halbjahr nahm RWE 752 Megawatt an neuer Erzeugungskapazität in Betrieb und investierte netto 6,3 Milliarden Euro. Die Mehrheit an Amprion hatte sich der Konzern im Juni gesichert, die Ergebnisziele für 2026 und 2027 waren bereits vor rund zwei Wochen angehoben worden.
Verschuldung steigt, bleibt aber im Rahmen
Die höheren Investitionen hinterlassen Spuren in der Bilanz. Per Ende Juni lag die Nettoverschuldung bei 15,0 Milliarden Euro – ein Anstieg gegenüber Ende 2025, den RWE mit den gestiegenen Investitionen und saisonalen Effekten beim operativen Cashflow begründet. Der Verschuldungsgrad gemessen am bereinigten EBITDA dürfte wegen der steigenden Nettoinvestitionen weiter zulegen, soll laut Konzernangaben aber unter der Zielmarke bleiben. Diese sieht einen Wert im unteren Bereich eines Korridors von 3,0 bis 3,5 vor.
Jefferies bestätigte nach den endgültigen Zahlen die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 68 Euro. Analyst Ahmed Farman verwies darauf, dass die Nettoverschuldung zwar über der Konsenserwartung liege, der bestätigte Ausblick aber Aufwärtspotenzial für das Wachstum bedeute. Die RWE-Aktie legte im vorbörslichen Handel spürbar zu.
Der Markt scheint die höhere Verschuldung als Preis für Wachstum zu akzeptieren – solange der Verschuldungsgrad innerhalb der selbst gesetzten Zielmarke bleibt. Wie sich die Amprion-Integration in den kommenden Quartalen auf die Cashflow-Entwicklung auswirkt, dürfte die nächste wichtige Wegmarke für den Konzern sein.
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