Der Energiekonzern RWE schüttet nicht nur mehr Geld an seine Aktionäre aus, sondern richtet den strategischen Blick massiv in Richtung Nordamerika. Während das operative Ergebnis im vergangenen Jahr marktbedingt schrumpfte, kontert das Management nun mit einem 35 Milliarden Euro schweren Investitionsplan bis 2031. Dieser Vorstoß in Kombination mit höheren Gewinnausschüttungen liefert den Anlegern klare Argumente für die aktuelle Stärke des Papiers.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 verzeichnete RWE ein bereinigtes EBITDA von 5,1 Milliarden Euro. Das entspricht zwar einem Rückgang von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, traf aber exakt das obere Ende der eigenen Prognosen. Der Markt honoriert diese Verlässlichkeit. Am gestrigen Donnerstag kletterte der Kurs auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei exakt 55,32 Euro. Damit summiert sich der Wertzuwachs der vergangenen zwölf Monate auf beachtliche 71,8 Prozent. Aktionäre profitieren zudem direkt: Die Dividende für 2025 soll auf 1,20 Euro je Anteilsschein steigen.

Fokus auf US-Rechenzentren

Bis 2031 will der Konzern seine Erzeugungskapazität auf 65 Gigawatt ausbauen. Fast die Hälfte des Budgets, rund 17 Milliarden Euro, fließt dabei in das US-Geschäft. Neben Wind- und Solarenergie plant RWE dort den Bau von Gaskraftwerken. Diese sollen gezielt den enormen Stromhunger der rasant wachsenden Rechenzentren decken.

Auf dem Heimatmarkt in Deutschland sind derweil neun Milliarden Euro für wasserstofffähige Gaskraftwerke vorgesehen. Die tatsächliche Umsetzung dieser Anlagen bleibt allerdings strikt an die Bedingungen künftiger Bundesausschreibungen geknüpft.

Geopolitik trifft auf Wachstumsziele

Die ehrgeizigen Pläne treffen auf ein volatiles geopolitisches Umfeld. Konzernchef Markus Krebber wies explizit auf die Risiken der aktuellen Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hin. Da über diese Route ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen abgewickelt wird, drohen bei einer anhaltenden Krise spürbare Engpässe bei der Befüllung der Gasspeicher. Um die internen Kostenstrukturen anzupassen, baut RWE am Standort Essen rund 100 Stellen ab.

Ungeachtet dieser globalen Spannungen hat das Management die finanziellen Ziele für die kommenden Jahre angehoben. Bis 2027 soll das bereinigte EBITDA auf bis zu 6,8 Milliarden Euro klettern, flankiert von einer fest eingeplanten jährlichen Dividendensteigerung von zehn Prozent ab 2026. Das parallel bis Juni 2026 laufende Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 1,5 Milliarden Euro verknappt zudem das Angebot an handelbaren Papieren und stützt den Kurs zusätzlich.