Gestern bestätigte Moody’s das langfristige Emittentenrating von RWE mit „Baa2“ und beließ den Ausblick auf „stabil“. Damit erhält der Essener Energiekonzern eine wichtige Bestätigung für seinen laufenden Umbauprozess und das damit verbundene Investitionsprogramm.

Die Bewertung erfolgt vor dem Hintergrund einer starken operativen Dynamik, während das Unternehmen gleichzeitig seine finanzielle Stabilität gegenüber den ambitionierten Ausbauplänen für erneuerbare Energien absichern muss.

Moody’s bewertet Balance zwischen Wachstum und Verschuldung

Die Ratingagentur wiegt bei ihrer aktuellen Einschätzung die führende Marktposition von RWE im Bereich der grünen Stromerzeugung gegen die substanziellen Kapitalausgaben ab.

RWE verfolgt im Rahmen seiner „Growing Green“-Strategie das Ziel, bis zum Jahr 2031 Nettoinvestitionen in Höhe von 35 Milliarden Euro zu tätigen. Moody’s sieht die Kreditwürdigkeit durch die stabile Ertragslage gestützt, mahnt jedoch die Balance angesichts der hohen Investitionssummen an.

Parallel dazu bekräftigte der Konzern sein EPS-Wachstumsziel für das Jahr 2031, das leicht von 4,40 Euro auf 4,55 Euro angehoben wurde. Die Marktkapitalisierung des Energieunternehmens beläuft sich auf 42,81 Milliarden €, was die gewichtige Rolle des Konzerns im europäischen Energiemarkt unterstreicht.

Analysten sehen Spielraum für höhere Notierungen

Auch von Bankenseite gab es in dieser Woche positive Signale. JPMorgan hob am Mittwoch das Kursziel für die Aktie von 65,00 Euro auf 68,50 Euro an. Analyst Pavan Mahbubani bestätigte die Einstufung „Overweight“ und beließ den Wert auf der „Analyst Focus List“. Als Gründe für den Optimismus nannte der Experte die vor rund zwei Wochen erfolgte Prognoseanhebung sowie potenzielle Kompensationszahlungen aus den USA.

Medienberichten zufolge einigte sich RWE vor rund zwei Wochen mit dem US-Innenministerium auf einen Vergleich über 1,22 Milliarden US-Dollar. Dabei geht es um die Rückgabe von drei Offshore-Wind-Leasingverträgen. Dieser Schritt soll es dem Konzern ermöglichen, Kapital gezielter in Projekte mit einer höheren Realisierungssicherheit umzuschichten. Seit Jahresbeginn konnte das Papier an der Börse bereits um 26% zulegen.

Strategische Erweiterung durch das Netzgeschäft

Ein wesentlicher Pfeiler für die künftige Stabilität ist die Neuordnung des Portfolios. Ebenfalls vor rund zwei Wochen schloss RWE die Aufstockung der Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf 55 % ab, nachdem zuvor lediglich 25,1 % gehalten wurden. Laut CEO Markus Krebber bildet dieser Bereich unter der Bezeichnung „Regulated Grids“ fortan die dritte strategische Säule des Konzerns neben der Energieerzeugung und dem Handel.

Diese Neuausrichtung spiegelt sich auch in den jüngsten Geschäftszahlen wider. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte EBITDA um 44 % auf 3,011 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis kletterte im gleichen Zeitraum um 59 % auf 1,257 Milliarden Euro.

Der Kurs notiert derzeit 7,6% unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Ende April bei 62,00 € erreicht wurde. Die Integration der regulierten Netze soll dazu beitragen, die Volatilität der Erträge aus dem Stromhandel und der wetterabhängigen Erzeugung abzufedern.