Ein Kursrutsch von über elf Prozent an einem einzigen Tag klingt nach Alarm. Bei SanDisk relativiert sich das schnell: Die Aktie hatte im ersten Halbjahr 2026 bis zu 850 Prozent zugelegt. Was am 1. Juli wie ein Warnsignal wirkt, lesen viele Marktbeobachter als überfällige Verschnaufpause.

Die Aktie fiel im Tagesverlauf auf ein Tief von 2.006,01 Dollar. Das Kuriose daran: Mehrere Großbanken hatten kurz zuvor ihre Kursziele deutlich angehoben. Der Ausverkauf traf SanDisk trotzdem – und traf nicht nur SanDisk.

Der Auslöser sitzt bei Meta

Der Sektor Technologieausrüstung verlor am 1. Juli 3,74 Prozent und schnitt damit schlechter ab als der Gesamtmarkt. Ein Bericht über Metas Cloud-Pläne brachte die Wende. Der Facebook-Mutterkonzern will offenbar überschüssige KI-Rechenkapazität vermieten, über sogenanntes „Model-as-a-Service“ und Bare-Metal-Leasing.

Die Reaktion der Anleger fiel gespalten aus. Ein Teil des Marktes befürchtet ein Überangebot an Rechenleistung – das würde den Bedarf an neuer Hardware dämpfen. Andere Stimmen argumentieren genau umgekehrt: Metas Vorstoß könnte den Ausbau der globalen Rechenzentren sogar beschleunigen.

Kurzfristig war die Marktreaktion eindeutig. Neben SanDisk gerieten auch Micron und Western Digital unter Druck. Die gesamte Hardware-Kette rund um Künstliche Intelligenz stand zur Disposition.

Analysten bleiben trotz Ausverkauf optimistisch

Während der Kurs fällt, schrauben Analysten ihre Ziele weiter nach oben. Bernstein hob das Kursziel von 1.700 auf 3.000 Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Begründet wird das mit langfristigen Lieferverträgen, die einen Mindestpreis von 0,29 Dollar pro Gigabyte festschreiben sollen. Bernstein rechnet dadurch mit einem Gewinn je Aktie von rund 214 Dollar bis zum Geschäftsjahr 2030.

Bank of America zieht nach: Analyst Wamsi Mohan erhöhte das Kursziel auf 2.500 Dollar und empfiehlt die Aktie zum Kauf. Die Bank erwartet eine anhaltende NAND-Knappheit bis 2027 und einen Anstieg der Durchschnittspreise um 35 Prozent im Juni-Quartal. Barclays und Cantor Fitzgerald bewegen sich mit Kurszielen zwischen 2.300 und 2.900 Dollar in ähnlichen Sphären.

Starke Zahlen, aber auch Insider-Verkäufe

Die fundamentale Basis für den Optimismus liefert das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026. SanDisk meldete einen Umsatz von knapp 6 Milliarden Dollar – ein Plus von 251 Prozent im Jahresvergleich. Der Gewinn je Aktie lag bei 23,41 Dollar und übertraf die Erwartungen von 14,66 Dollar deutlich.

Auch die Marge sprang nach oben: von 22,5 Prozent auf 78,4 Prozent. Ein Sprung dieser Größenordnung ist selten und unterstreicht, wie stark sich die Preise für NAND-Speicher zuletzt entwickelt haben.

Parallel dazu verkauften Insider Aktien im Wert von rund 8,9 Millionen Dollar in den vergangenen drei Monaten. Chief Accounting Officer Pokorny und EVP Ilkbahar trennten sich jeweils von Anteilen im Wert von etwa 3,5 Millionen Dollar. Solche Verkäufe müssen kein Warnsignal sein, dürften aber zur vorsichtigeren Stimmung beigetragen haben.

Bewertung bleibt ambitioniert

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 70 bis 77 ist SanDisk alles andere als günstig bewertet. Befürworter verweisen auf eine Kassenposition von 3,7 Milliarden Dollar und einen freien Cashflow von 4,46 Milliarden Dollar auf Jahressicht. Ein möglicher Aktiensplit im weiteren Jahresverlauf steht im Raum, offiziell bestätigt ist bislang nichts.

Der nächste Quartalsbericht dürfte zeigen, ob die NAND-Preise ihre Dynamik behalten. Bis dahin bleibt offen, ob die Korrektur eine Atempause in einer intakten Rally darstellt oder der Beginn einer breiteren Neubewertung der KI-Hardware-Branche ist.