Manchmal reicht ein einziger Tag, um eine Verkaufswelle zu brechen. Bei SanDisk sieht es genau danach aus. Nach dem Sturz auf ein 52-Wochen-Tief von 870,00 Euro am Donnerstag schnellte die Aktie um 24,72 Prozent nach oben und schloss bei 1.110,00 Euro. Vorbörslich am Freitag geht es weiter aufwärts, um weitere 5,41 Prozent auf 1.170,00 Euro. Für mich ist das mehr als eine technische Gegenbewegung — es könnte der Moment sein, in dem die Übertreibung nach unten endlich ihre Grenze findet.

Der Auslöser kam nicht von SanDisk selbst

Was diese Kehrtwende ausgelöst hat, hat mit SanDisk direkt wenig zu tun. Microsoft hat angekündigt, seine Investitionen in KI-Infrastruktur weiter hochzufahren. Das wirkte wie ein Ritterschlag für die gesamte Halbleiterbranche und trieb die Kurse quer durch den Sektor nach oben.

Für SanDisk ist das mehr als nur Sektor-Rückenwind. Die Nachfrage nach Enterprise-SSDs mit hoher Kapazität hängt direkt am Ausbau von KI-Rechenzentren. Hinzu kommen Berichte aus der Speicherbranche, wonach Marktführer wie Samsung von einem strukturellen Angebotsengpass ausgehen, der bis 2028 anhalten könnte. Wenn das stimmt, war der Absturz der letzten Wochen ein Überschießen der Nerven — kein Signal für schlechtere langfristige Aussichten.

Die Zahlen untermauern, wie heftig die Korrektur war: Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.060,00 Euro trennen die Aktie noch immer 43,2 Prozent. Auf 30-Tage-Sicht steht trotz der Rally ein Minus von 34,64 Prozent zu Buche. Wer diese Kluft zwischen fundamentaler Story und Kursniveau sieht, versteht, warum ich die aktuelle Bewegung für mehr halte als ein technisches Strohfeuer.

Volatilität bleibt das Risiko Nummer eins

Trotz der Erholung bleibt SanDisk ein Nervenkitzel für jeden, der investiert ist. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 168 Prozent — ein Wert, der zeigt, wie extrem die Ausschläge in beide Richtungen ausfallen können. Auf Sieben-Tage-Sicht steht trotz der jüngsten Sprünge noch immer ein Minus von 7,87 Prozent zu Buche. Der kurzfristige Trend hat also noch keine echte Stabilität gefunden.

Der RSI von 44,0 signalisiert, dass die Aktie die überverkaufte Zone verlässt, ohne bereits in überkaufte Bereiche vorzustoßen. Diese neutrale technische Lage, kombiniert mit dem großen Abstand zum Allzeithoch, öffnet aus meiner Sicht ein Fenster für weitere Erholung — vorausgesetzt, die kommenden Quartalszahlen bestätigen die optimistische Lesart.

Der Test kommt am 5. August

Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch bevor. Am 5. August legt SanDisk die Zahlen zum vierten Quartal vor. Analysten zeigen sich bemerkenswert zuversichtlich: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.924,36 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 73,4 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entspräche.

Damit die Rally trägt, muss das Management liefern. Es reicht nicht, höhere Nachfrage nach Enterprise-SSDs zu vermelden. Das Unternehmen muss zeigen, dass daraus auch nachhaltig bessere Margen werden. Gelingt der Nachweis, dass SanDisk einer der Hauptprofiteure der KI-Investitionswelle ist, dürfte der Weg zurück zu den Junihochs kürzer sein, als es die Kursverwerfungen der letzten Wochen vermuten lassen.

Mein Fazit: Die Chancen stehen derzeit für eine fortgesetzte Erholung — vorausgesetzt, der breitere Technologiesektor bleibt stabil und die Zahlen am 5. August liefern die Bestätigung, die der Markt jetzt einpreist.