Ein Unternehmen meldet den stärksten Umsatzsprung seiner Geschichte – und die Börse straft es trotzdem ab. Genau das ist SanDisk in den vergangenen Tagen widerfahren, und wer verstehen will, warum, muss sich von der Idee verabschieden, dass gute Zahlen automatisch gute Kurse bedeuten. In Zeiten des KI-getriebenen Speicherbooms zählt offenbar nur noch, ob die Zukunft noch spektakulärer wird als die Gegenwart.
Am 5. August legte SanDisk Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor, die für sich genommen beeindrucken: 8,97 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 39,25 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 33,28 Dollar deutlich.
Auf das gesamte Geschäftsjahr gerechnet kam SanDisk auf 20,25 Milliarden Dollar Umsatz, ein Zuwachs von 175 Prozent. Der Vorstand legte gleich nach und genehmigte ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden Dollar, womit die gesamte verbleibende Ermächtigung auf 15,5 Milliarden Dollar steigt.
Wenn Rekordzahlen nicht reichen
Und doch brach die Aktie ein. Zusammen mit Western Digital, das am selben Tag berichtete, verlor SanDisk 13,3 Prozent, Western Digital sogar 19,1 Prozent. Beide Unternehmen übertrafen die Erwartungen – ihre Ausblicke blieben jedoch hinter dem zurück, was der Markt für den KI-Speichersektor mittlerweile für selbstverständlich hält.
Die Prognose für das erste Quartal 2027 mit einem Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden Dollar sowie einem Gewinn je Aktie von 44 bis 46 Dollar klingt für sich genommen ambitioniert. Gemessen an den „sky-high“ Erwartungen der vorangegangenen Monate wirkte sie auf viele Anleger wie eine Enttäuschung.
Das zeigt, wie fragil die Bewertungslogik in diesem Sektor geworden ist. SanDisk untermauerte parallel seine langfristige Position: Zehn sogenannte „New-Business-Model“-Vereinbarungen sichern dem Unternehmen mittlerweile 93,9 Milliarden Dollar an Mindestumsätzen – eine Zahl, die eigentlich für strukturelle Stabilität statt für Volatilität sprechen sollte.
Technologisch bleibt SanDisk zudem am Puls der Zeit: Zusammen mit Kioxia stellte man die zehnte Generation der QLC-3D-Flashspeichertechnologie BiCS10 vor, die gegenüber der Vorgängergeneration 60 Prozent mehr Bitdichte erreichen soll.
Mit SK hynix veröffentlichte SanDisk zudem über das Open Compute Project die erste technische Spezifikation für „High Bandwidth Flash“, eine Antwort auf die Speicherengpässe, die KI-Inferenzsysteme zunehmend ausbremsen.
Analysten uneins, Kurs im freien Fall
Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend gespalten aus. Jefferies senkte sein Kursziel am 6. August wegen Sorgen über nachlassende NAND-Preise auf 1.750 Dollar. Andere Häuser hielten dagegen an deutlich höheren Zielen von bis zu 3.000 Dollar fest.
Am Montag drehte Argus die Stimmung erneut: Das Analysehaus stufte SanDisk von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 1.600 Dollar, mit der Begründung, der scharfe Kursrückgang nach den Quartalszahlen biete einen attraktiven Einstiegspunkt bei intakten fundamentalen Daten.
Die Marktdaten geben diesem Bild recht unmittelbar Kontur. Aktuell notiert die Aktie bei 1.080,00 Euro und legt am heutigen Dienstag um 0,93 Prozent zu. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage relativiert diese kleine Erholung jedoch: Dort steht ein Minus von 26,53 Prozent zu Buche.
Gleichzeitig liegt der Kurs inzwischen 24,14 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief – ein Hinweis darauf, dass sich nach dem Ausverkauf zumindest eine Bodenbildung andeutet, auch wenn von einer nachhaltigen Trendwende noch nicht die Rede sein kann.
Ergänzend fällt auf, dass Bernard Shek, Chief Legal Officer des Unternehmens, am 3. August im Rahmen eines Rule-10b5-1-Handelsplans 600 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 1.162,16 Dollar verkaufte – ein vorab geplanter, eher routinemäßiger Vorgang, der angesichts der Kursturbulenzen aber genau beobachtet wird.
Der nächste Prüfstein steht bevor
Am 13. August lädt SanDisk zu einer Investorenveranstaltung, bei der weitere Details zum Ausblick für den Speichermarkt erwartet werden. Für ein Unternehmen, dessen Aktie binnen weniger Tage zwischen Rekordzahlen und Kursabsturz pendelte, dürfte dieser Termin zeigen, ob die aktuelle Skepsis der Anleger berechtigt ist – oder ob der KI-Speicherboom seinen nächsten Kapitel einfach nur mit einer Verschnaufpause einläutet.
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