SanDisk war 2026 lange Zeit der Star im S&P 500. Jetzt bricht die Aktie ein — und das Sonderbare daran: Wall-Street-Analysten erhöhen ihre Kursziele in genau diesem Moment.

Am Freitag schloss die Aktie bei 1.190,00 Euro, ein Minus von 4,03 Prozent an einem einzigen Tag. Nur zwei Tage zuvor markierte das Papier mit 1.130,00 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Vom Rekordhoch bei 2.060,00 Euro Ende Juni trennen die Aktie mittlerweile über 42 Prozent.

Der Ausverkauf trifft die ganze Speicherchip-Branche

SanDisk steht nicht allein da. Dell verlor zeitweise bis zu 14 Prozent an einem Handelstag. Micron, Western Digital und SK Hynix zogen im selben Zeitraum mit nach unten.

Ein Teil des Drucks kommt aus China. Berichte, wonach Apple Speicherchips des chinesischen Herstellers CXMT für Geräte im chinesischen Markt testet, verunsichern die Branche. Der Elektroautobauer Nio meldete zudem eine Investition von 23,3 Millionen Dollar in genau dieses Unternehmen. Für den Markt ist das ein konkretes Signal: Chinesische Konkurrenz kommt nicht irgendwann — sie kommt jetzt, und in Größenordnungen.

Hinzu kommt eine Meldung von Reuters. Der KI-Cloud-Anbieter CoreWeave prüft demnach Put-Optionen, um sich gegen fallende Preise bei Speicher und Storage abzusichern. Umgesetzt hat CoreWeave davon bislang nichts, die Überlegungen stecken in einer frühen Phase. Allein die Meldung genügte aber, um die Nervosität im Sektor zu verstärken.

Analysten sehen die Sache anders

Während der Kurs abstürzt, klettern die Kursziele der Analysten in die entgegengesetzte Richtung. Das mittlere Kursziel der Wall Street stieg von 1.845,64 auf 2.144,14 Dollar — parallel zum stärksten Kursverfall der Aktie in diesem Jahr. Die durchschnittliche Einstufung lautet weiterhin „Kaufen“.

Manche Häuser gehen deutlich weiter. Bernstein und Cantor Fitzgerald setzen ihre Kursziele bei 3.000 beziehungsweise 2.900 Dollar an — das würde ein Kurspotenzial von mindestens 56 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau bedeuten. Goldman Sachs kalkuliert für das Kalenderjahr 2026 nun mit einem normalisierten Gewinn je Aktie von 110 Dollar, doppelt so hoch wie zuvor geschätzt. Die Bank wendet dabei ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 an, gesenkt von zuvor 22.

Langfristverträge stützen, schützen aber nicht vollständig

Der optimistische Blick der Analysten stützt sich auf mehrjährige Lieferverträge, die SanDisk mit großen Hyperscale-Kunden abgeschlossen hat. Im dritten und beginnenden vierten Fiskalquartal 2026 unterzeichnete das Unternehmen fünf solcher Vereinbarungen mit KI- und Hyperscaler-Kunden. Allein die drei Verträge aus dem dritten Quartal tragen eine ausstehende Auftragsverpflichtung von rund 42 Milliarden Dollar, abgesichert durch Garantien von über 11 Milliarden Dollar.

Diese Verträge nehmen SanDisk allerdings nicht das komplette Zyklusrisiko ab. Rund zwei Drittel der Produktion bleiben weiterhin der Marktpreisentwicklung ausgesetzt. Immerhin: Eine solche Preisabsicherung existierte in den Abschwungphasen von 2018 und 2021 noch gar nicht.

Zwei Termine im August entscheiden die Richtung

Der RSI von 38,8 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert — ein Hinweis darauf, dass der jüngste Ausverkauf technisch weit fortgeschritten ist. Die annualisierte Volatilität liegt bei 143,12 Prozent, ein Wert, der die Nervosität rund um das Papier unterstreicht.

Am 5. August um 13:30 Uhr Pazifischer Zeit legt SanDisk die Zahlen für das vierte Fiskalquartal und das Gesamtjahr 2026 vor. Für das Quartal erwartet das Management einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 30,00 bis 33,00 Dollar. Eine Woche später, am 13. August, folgt ein Investorentag, bei dem CEO David Goeckeler und Finanzchef Luis Visoso den Ausblick für das Unternehmen erläutern wollen.