Selten klaffen Erfolg und Kursreaktion so weit auseinander wie aktuell bei SanDisk. Der Speicherchip-Hersteller meldete am Mittwoch das stärkste Quartal seiner Geschichte. Die Börse antwortete trotzdem mit einem Kursrutsch von 6,40 Prozent auf 1.170 Euro.
Der Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kletterte auf 8,97 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber war fast ausschließlich die Nachfrage nach KI-optimierten Speicherlösungen. Das Datacenter-Segment allein wuchs um mehr als das 13-Fache auf 2,98 Milliarden Dollar.
Zu gut war offenbar nicht gut genug
Der Auslöser für den Ausverkauf lag nicht im abgelaufenen Quartal. Er lag in der Prognose für das kommende. SanDisk stellt für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden Dollar in Aussicht.
Das ist weiterhin ein kräftiges Wachstum zum Vorquartal. Der Mittelwert von 10,55 Milliarden Dollar liegt aber unter der optimistischsten Analystenschätzung von 10,82 Milliarden Dollar. In einem Markt, der zuletzt fast schon Perfektion einpreiste, reicht diese kleine Lücke für einen harten Rückschlag.
Mit dem Rutsch liegt die Aktie inzwischen 43,20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.060 Euro. Das zeigt, wie kompromisslos der Markt seine Bewertung von KI-Speicherwerten gerade neu justiert. Wer bei SanDisk auf lupenreine Übertreffungen jedes einzelnen Quartals gewettet hat, wird derzeit eines Besseren belehrt.
Vom Rohstoffgeschäft zur Infrastruktur
Hinter der Kursvolatilität vollzieht sich bei SanDisk ein handfester Strategiewechsel. Der Konzern bewegt sich weg vom klassischen Spotmarkt für NAND-Speicher. Das Management setzt stattdessen auf langfristige Lieferverträge mit festen Mindestabnahmen.
Acht Großkunden haben sich über mehrjährige Rahmenverträge insgesamt 93,9 Milliarden Dollar an Mindestumsatz zugesichert. Das deckt rund die Hälfte der erwarteten Produktion für das Geschäftsjahr 2027 ab. Für 2028 sind es bereits zwei Drittel. Diese Verträge geben SanDisk eine Planungssicherheit, die Speicherchip-Hersteller in dieser Branche sonst kaum kennen.
Die Wirkung zeigt sich schon in der Marge. Die bereinigte Bruttomarge erreichte im vierten Quartal 84,6 Prozent, ein Spitzenwert für die Branche. Genau darin liegt die Wette des Managements: Wer Preise über Jahre fixiert, entkoppelt sich von den brutalen Boom-und-Bust-Zyklen der Speicherindustrie.
Der Aktienrückkauf als Antwort
Auf die Skepsis des Marktes reagiert SanDisk mit einem Signal, das sich kaum wegdiskutieren lässt. Der Konzern legt ein zusätzliches Rückkaufprogramm über 14 Milliarden Dollar auf. Damit steigt das verbleibende Gesamtvolumen auf 15,5 Milliarden Dollar.
Ein Management, das den eigenen Kurs für unterbewertet hält, kauft eigene Aktien nicht in dieser Größenordnung aus Höflichkeit zurück. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 1.920,14 Euro, gut 64 Prozent über dem aktuellen Niveau. Zwischen der Einschätzung der Analysten und der Reaktion des Marktes liegt derzeit eine erhebliche Lücke.
Der RSI von 45,1 bestätigt das Bild: Weder Panik noch Euphorie bestimmen momentan den Handel. Die Aktie steht technisch neutral, der Markt wartet ab.
Reichen 93,9 Milliarden Dollar an langfristigen Lieferverträgen wirklich aus, um SanDisk von der nächsten Stimmungsschwankung im KI-Sektor abzuschirmen? Genau diese Frage dürfte den Kurs in den kommenden Monaten stärker prägen als jedes einzelne Quartalsergebnis.
Am 13. August lädt SanDisk zum Investor Day. Dort will das Management zeigen, wie belastbar die neue Vertragsarchitektur wirklich ist – und ob der Ausverkauf vom Mittwoch mehr war als eine Verschnaufpause nach einem außergewöhnlichen Lauf.
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