Nach einem der schärfsten Kurseinbrüche der Speicherbranche in diesem Jahr hat sich Argus Research für Sandisk positioniert. Analyst Jim Kelleher hob die Einstufung am Montag von Hold auf Buy an und nennt ein Kursziel von 1.600 US-Dollar.

Begründet wird der Schritt mit den robusten Fundamentaldaten des Unternehmens nach dem jüngsten Rückgang von rund 500 US-Dollar gegenüber dem Startniveau der Coverage. Im deutschen Handel notiert die Aktie bei 1.060,00 Euro und liegt damit 0,95 Prozent im Plus – nach einem Kursverlust von 36,90 Prozent binnen 30 Tagen bleibt der Titel jedoch deutlich unter seinem Ausgangsniveau vom Frühsommer.

Rekordquartal trifft auf skeptischen Markt

Der Auslöser für die erneute Diskussion um die Bewertung liegt in den jüngsten Geschäftszahlen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Sandisk einen Umsatz von 8,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Analystenkonsens von 8,42 Milliarden US-Dollar.

Der Gewinn je Aktie lag bei 39,25 US-Dollar und übertraf die Erwartung von 34,59 US-Dollar klar. Die Nicht-GAAP-Bruttomarge kletterte auf 84,6 Prozent, verglichen mit gerade einmal 26,2 Prozent ein Jahr zuvor – ein Sprung, der die Erholung des NAND-Marktes eindrucksvoll widerspiegelt.

Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 44 bis 46 US-Dollar in Aussicht.

Dass die Aktie trotz dieser Zahlen zuletzt so stark unter Druck geraten war, gilt vielen Beobachtern als Übertreibung. Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf ist der Kern der aktuellen Debatte um den Titel.

Milliardenschwere Verträge sichern Auslastung

Ein zentraler Baustein der Argus-Argumentation sind die sogenannten NBM-Vereinbarungen. Sandisk hat mit acht Großkunden Verträge über einen Mindestumsatz von 93,9 Milliarden US-Dollar geschlossen, die mehr als die Hälfte der für das Geschäftsjahr 2027 geplanten Bit-Lieferungen absichern und laut Berichten sogar rund zwei Drittel des Jahres 2028 abdecken.

Diese Verträge enthalten Preisuntergrenzen und Volumenverpflichtungen, was die Schwankungsanfälligkeit des klassischen Speicherzyklus reduzieren soll. Besonders dynamisch entwickelt sich das Rechenzentrumsgeschäft, das im vergangenen Quartal sequenziell um 103 Prozent auf rund 3 Milliarden US-Dollar zulegte.

Aktienrückkauf und geteilte Analystenmeinungen

Parallel zur operativen Entwicklung erhöht Sandisk auch den Kapitalrückfluss an Aktionäre. Nachdem im laufenden Quartal bereits 4,5 Milliarden US-Dollar an eigenen Aktien zurückgekauft wurden, hat der Vorstand die Rückkauf-Autorisierung um weitere 14 Milliarden US-Dollar aufgestockt. Insgesamt verbleiben damit 15,5 Milliarden US-Dollar an offenem Rückkaufvolumen – nach Unternehmensangaben entspricht das 8,6 Prozent der Marktkapitalisierung.

Die Wall Street bleibt in ihrer Einschätzung weit gefächert. Neben Argus mit 1.600 US-Dollar äußert sich Bernstein mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 3.000 US-Dollar deutlich optimistischer, während sich weitere Häuser zwischen 1.750 und 2.800 US-Dollar bewegen.

In der Breite überwiegt die positive Einschätzung: 14 der begleitenden Analysten stufen die Aktie mit Buy ein, lediglich zwei mit Hold, das durchschnittliche Kursziel liegt spürbar über dem aktuellen Niveau.

Für Anleger bleibt damit die Kernfrage, ob der jüngste Kursrutsch tatsächlich eine Einstiegsgelegenheit darstellt oder der Markt mit Blick auf die extreme Volatilität der Speicherbranche vorsichtig bleibt – die Reaktion auf das heutige Argus-Upgrade liefert dafür ein erstes, wenn auch noch verhaltenes Signal.