SanDisk-Aktien pendeln zwischen Rekordtief und kräftiger Erholung. Morgan Stanley bekräftigt diese Woche öffentlich seine Knappheits-These für Speicherchips. Das gibt dem Papier neuen Schwung – nach Wochen extremer Ausschläge.

Eine Woche der Extreme

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 1.410,00 Euro, ein Plus von 0,71 Prozent zum Vortag. Über sieben Tage steht dennoch ein Kursgewinn von 18,49 Prozent zu Buche.

Im 30-Tage-Vergleich bleibt trotzdem ein deutliches Minus von 16,57 Prozent. Die Aktie hat sich von ihrem Rekordtief Mitte Juli bei 1.130,00 Euro binnen weniger Tage kräftig erholt, notiert aber weiterhin rund ein Drittel unter ihrem Rekordhoch vom Juni.

Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 143,05 Prozent. Dieser Wert zeigt eindrucksvoll, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.

Morgan Stanley bekräftigt Knappheits-These

Andrew Slimmon von Morgan Stanley erklärte die Marktdivergenz mit anhaltenden Lieferengpässen bei Speicherchips und Rechenleistung. Die KI-Infrastruktur stecke noch in einer frühen Phase, so Slimmon in einem CNBC-Auftritt am Mittwoch. Das mache aktuelle Hardware-Bewertungen trotz der Marktturbulenzen attraktiv.

Slimmon riet Investoren, sich auf Bereiche mit echter Knappheit zu konzentrieren. Das Angebot habe die wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur noch nicht eingeholt. Zwar räumte er ein, dass einige Speicherchip-Aktien Anfang des Jahres überbewertet waren. Die jüngsten Rücksetzer hätten die Bewertungen aber wieder attraktiver gemacht. Seine Einschätzung zur Knappheit fiel deutlich aus: Er erwarte keine schnelle Entspannung.

Joseph Moore, der SanDisk bei Morgan Stanley direkt abdeckt, teilte diese Einschätzung im selben Interview. Der Rücksetzer bei Speicherchip-Aktien habe eine attraktive Einstiegsgelegenheit geschaffen, so Moore. Steigende KI-Ausgaben verknappen seiner Ansicht nach weiterhin das Angebot in der gesamten Branche.

Speicher stehe „im Zentrum jeder Methodik für KI-Training und -Inferenz“, betonte Moore. Die jüngste Schwäche spiegle nur kurzfristige Sorgen wider. Eine Entspannung der Knappheit erwartet er nur, falls die KI-Ausgaben deutlich nachlassen – ein Szenario, das Morgan Stanley aktuell nicht auf dem Schirm hat. Halte die Investitionsdynamik an, könnte das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch drei bis vier Jahre andauern.

Kapriolen rund um Big-Tech-Zahlen

Die erneuten Kaufempfehlungen trafen auf einen Markt, der gerade gemischte Signale aus den Big-Tech-Bilanzen verarbeitete. Am Mittwoch fielen die großen US-Indizes, nachdem negative Free-Cashflow-Werte bei Google und Tesla auf die Tech-Bewertungen drückten. KI-Hardware- und Speicherchip-Aktien legten dagegen zu.

Google und Tesla lieferten dafür indirekt die Erklärung. Googles Investitionsausgaben verdoppelten sich nahezu und signalisierten anhaltende Nachfrage nach Rechenzentren und Servern. Unter den Speicherchip-Werten legte die SK-Hynix-ADR um 6,3 Prozent zu, Micron um 3,3 Prozent, SanDisk um 1,9 Prozent.

Bereits zu Wochenbeginn hatte ein ähnliches Muster für Aufsehen gesorgt – ausgelöst durch eine Preisprognose statt durch Quartalszahlen. Am Dienstag sprangen Micron um 12 Prozent, Western Digital um 12,5 Prozent und SanDisk um 14,3 Prozent nach oben.

Auslöser war eine Morgan-Stanley-Prognose: Die Speicherpreise sollen vom zweiten zum dritten Quartal 2026 um mindestens 25 Prozent steigen.

Ein Warnsignal von TrendForce

Nicht alle Signale fielen diese Woche eindeutig positiv aus. Marktbeobachter verwiesen darauf, dass NAND-Flash-Aktien nach einer Warnung von TrendForce nachgaben. Der Marktforscher rechnet mit einer Normalisierung der KI-getriebenen Nachfrage – eine Einschätzung, die der Knappheits-These von Morgan Stanley zumindest teilweise widerspricht.

Blick auf den 5. August

Der nächste wichtige Termin für SanDisk ist der Quartalsbericht zum vierten Geschäftsquartal am 5. August. Anleger achten dabei besonders darauf, ob die parabolische Kursrally durch bessere Zahlen und einen soliden Ausblick gestützt wird.

Im dritten Quartal erreichte die non-GAAP-Bruttomarge bereits 78,4 Prozent, getrieben von Premium-Preisen und einem hochwertigen Kundenmix. Für das vierte Quartal peilt das Unternehmen eine Marge zwischen 79 und 81 Prozent an. Steigende Durchschnittspreise, eine disziplinierte Fertigungskapazität und feste Produktionskosten sollen dieses Ziel stützen.

Mit dem Bericht am 5. August steht die nächste Belastungsprobe für die Knappheits-These bereits im Kalender. Bis dahin wägen Investoren die anhaltend positiven Einschätzungen von Morgan Stanley gegen das extrem volatile Kursprofil der Aktie ab – und gegen erste Anzeichen eines möglicherweise wechselnden Nachfragebilds bei Branchenbeobachtern wie TrendForce.