Ein Analystenkommentar reicht manchmal aus, um eine Talfahrt zu stoppen. Bei Sandisk war es Morgan Stanley. Die Aktie sprang am Dienstag um 9,09 Prozent auf 1.320 Euro, nachdem sie am Montag noch bei 1.210 Euro geschlossen hatte.

Die Erholung kommt nach einer brutalen Phase. Erst am 17. Juli hatte die Aktie mit 1.130 Euro ihr 52-Wochen-Tief markiert. Innerhalb von 30 Tagen hatte Sandisk zuvor 33,67 Prozent verloren.

Morgan Stanley sieht Kaufgelegenheit

Analyst Joseph Moore von Morgan Stanley lieferte den Auslöser für die Kehrtwende. Er bezeichnet die jüngste Verkaufswelle bei Speicherchip-Aktien als Übertreibung und sieht darin eine Einstiegschance. Als Grund für die diesjährige Nachfrage nennt er ausschließlich die Stärke der Rechenzentren.

Die Knappheit bei Speicherchips verschärft sich laut Moore weiter, statt sich zu entspannen. Für das dritte Quartal erwartet er einen Preisanstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sei weder dieses noch in den beiden Folgejahren in Sicht. Die Gewinne von Sandisk hält Moore deshalb für gut abgesichert.

Was den Ausverkauf ausgelöst hatte

Die aktuelle Erholung macht nur einen Teil der vorherigen Verluste wieder gut. Geopolitische Unsicherheit hatte eine Rotation weg von Technologiewerten angestoßen. Am 17. Juli verschärfte ein neues KI-Modell aus China die Verunsicherung zusätzlich und traf US-Chipwerte hart.

Allein zwischen dem 13. und dem 17. Juli verlor die Sandisk-Aktie 24,5 Prozent. Über die genauen Ursachen der breiteren Schwäche im Speicherchip-Sektor herrscht Uneinigkeit unter Analysten. Manche verweisen auf die angekündigte Kapazitätserweiterung von Taiwan Semiconductor, andere auf Sorgen um eine nachlassende Nachfrage nach KI-Chips.

Das operative Geschäft läuft weiter stark

Trotz der Kursschwankungen zeigt das Geschäft selbst keine Schwäche. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz um 251 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der gesamte Jahresumsatz 2025 lag bei 7,3 Milliarden Dollar.

Für das vierte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar. Sandisk sichert sich zusätzlich langfristige Planungssicherheit über Lieferverträge. Allein drei im dritten Quartal unterzeichnete Abkommen garantieren Mindesteinnahmen von 42 Milliarden Dollar. Fünf weitere Verträge sollen im vierten Quartal näher erläutert werden.

Kursziele weit auseinander

Unter den 29 von CNN erfassten Analysten liegt das mittlere Kursziel für die kommenden zwölf Monate bei 2.500 Dollar. Die Spanne reicht von 1.000 bis 3.250 Dollar — ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Zukunft des Speicherchip-Geschäfts eingeschätzt wird.

Die Schwankungsbreite der Aktie bleibt außergewöhnlich hoch. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 145,72 Prozent, der RSI notiert bei 43,7 und signalisiert damit weder Über- noch Unterverkauf. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz des jüngsten Einbruchs um 580 Prozent im Plus, liegt aber weiterhin gut 35 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 2.060 Euro aus dem Juni.

Die aktuelle Erholung zeigt: Ein Teil der Anleger glaubt weiter an die These der Speicherchip-Knappheit. Ob dieser Optimismus trägt, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen und weiteren Vertragsabschlüssen des Unternehmens entscheiden.