251 Prozent Umsatzwachstum und eine Bruttomarge von über 78 Prozent. SanDisk liefert derzeit Quartalszahlen, die selbst im KI-Sektor herausstechen. Der Speicherspezialist profitiert von einem massiven Ungleichgewicht auf dem Markt für NAND-Flash-Speicher. Analysten überbieten sich nun mit neuen Kurszielen, während erste Kritiker vor einem zyklischen Rückschlag warnen.

Agentic AI treibt die Nachfrage

Die Investmentbank Mizuho sieht den nächsten großen Nachfrageschub. Analyst Vijay Rakesh bekräftigt seine „Outperform“-Einstufung und hebt das Kursziel für die SanDisk-Aktie von 1.220 auf 1.625 US-Dollar an. Als Haupttreiber nennt er sogenannte „Agentic AI“ und komplexe Inferenz-Anwendungen.

Diese KI-Modelle erfordern enorme Speicherkapazitäten in Rechenzentren, PCs und Smartphones. Laut Rakesh übersteigt die Nachfrage das Angebot im NAND-Markt deutlich. Das treibt die Preise nach oben.

Strukturelles Defizit bis 2028

Experten rechnen mit einem langanhaltenden Engpass. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert für 2026 einen Preisanstieg bei NAND-Flash-Speichern um 234 Prozent. Eine Entspannung der Liefersituation erwarten Branchenkenner erst für das Jahr 2028.

Hyperscaler reagieren auf diese Verknappung und sichern sich frühzeitig langfristige Kapazitäten. Die massiven Einkäufe der Rechenzentrumsbetreiber spiegeln sich direkt in den Bilanzen der Speicherhersteller wider.

SanDisk meldete für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von sechs Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie sprang von einem Vorjahresverlust auf 23,41 US-Dollar. Das Segment für Rechenzentren vervielfachte seine Erlöse.

Kritiker sehen zyklische Risiken

Marktbeobachter warnen indes vor Übermut. Das rasante Wachstum von SanDisk basiert aktuell auf Preismacht und einem lukrativen Produktmix, nicht auf höheren Stückzahlen. Im Gegenteil: Die ausgelieferte Datenmenge sank zuletzt im zweistelligen Prozentbereich.

Bauen Konkurrenten wie die chinesische YMTC ihre Kapazitäten aus, könnten die Spotmarktpreise unter Druck geraten. Variable Preisklauseln in SanDisks Verträgen würden dann die Margen belasten.

An der Börse dominiert weiterhin die Euphorie. Die Aktie schloss am Donnerstag bei rund 1.340 US-Dollar und verzeichnet damit ein Jahresplus von fast 387 Prozent. Ein RSI-Wert von 79,5 signalisiert allerdings einen stark überkauften Zustand.

Das Management blickt optimistisch auf das laufende vierte Geschäftsquartal. SanDisk peilt einen Umsatz von rund acht Milliarden US-Dollar an. Zur Absicherung des künftigen Wachstums hat das Unternehmen kürzlich neue langfristige Partnerschaften mit einem Mindestwert von 42 Milliarden US-Dollar unterzeichnet.