Auf der Kursliste leuchtet tiefes Rot, bei den Analysten herrscht Partystimmung. Die SAP-Aktie verlor allein in der vergangenen Woche gut zwölf Prozent an Wert. Der Schlusskurs von 141,52 Euro besiegelt einen massiven Absturz. Vom 52-Wochen-Hoch bei 266 Euro ist das Papier weit entfernt.
Wall Street bleibt stur
Die Investmentbanken ignorieren den Kurseinbruch weitgehend. Im Juni sammelte der Softwarekonzern 38 Kaufempfehlungen ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 211,05 Euro. Das verspricht massives Aufwärtspotenzial.
Einzig J.P. Morgan bremst die Euphorie leicht. Die Bank bestätigt ihre neutrale Einschätzung. Das Kursziel bleibt bei 175 Euro. Damit rangiert J.P. Morgan am unteren Ende der Spanne. Die Folge: Selbst die Pessimisten sehen noch deutliche Kurschancen.
Milliarden für die KI-Offensive
Parallel dazu baut das Management seine KI-Datenstrategie aggressiv aus. Anfang Mai schloss SAP die Übernahme des Softwareanbieters Reltio ab. Im dritten Quartal 2026 soll die US-Datenplattform Dremio folgen. Den technologischen Kern liefert künftig das Freiburger Startup Prior Labs.
Der Konzern hat eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet. SAP investiert in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Breisgauer. Sie entwickeln spezielle KI-Modelle für strukturierte Unternehmensdaten.
SAP hat das Geld für diese Einkaufstour bereits beschafft. Ende Mai platzierte der Konzern erfolgreich eine Euro-Anleihe über 3,5 Milliarden Euro. Der Nettoerlös fließt in allgemeine Firmenzwecke und künftige Zukäufe. Währenddessen läuft ein massives Aktienrückkaufprogramm. Es umfasst bis zu zehn Milliarden Euro und endet 2027.
Der Blick auf die Zahlen
Aktuell befindet sich das Unternehmen in der sogenannten Quiet Period. Neue Aussagen zum operativen Geschäft sind bis zu den Quartalszahlen im Juli tabu. Anleger orientieren sich daher an den starken Daten aus dem Frühjahr. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs im ersten Quartal um 20 Prozent.
Der Vorstand hält an seinen Jahreszielen fest. Für 2026 plant SAP mit währungsbereinigten Clouderlösen von rund 26 Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll zehn Milliarden Euro erreichen.
Im Juli folgen die Ergebnisse für das zweite Quartal. Dann müssen die neuen Zukäufe erste operative Erfolge liefern. Halten die starken Wachstumsraten im Cloud-Geschäft an, stützt das die hohen Kursziele der Wall Street.
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