Fast auf Jahrestief — das beschreibt die Lage bei SAP nach einer turbulenten Woche. Zwei externe Schocks aus dem Softwaresektor sorgten innerhalb weniger Tage für massiven Verkaufsdruck. Die Aktie verlor allein in sieben Tagen mehr als zehn Prozent.

Goldman senkt Margenprognose

Den Anfang machte Goldman Sachs. Die Bank kürzte ihre Bruttomargenprognose für das zweite Halbjahr 2026 auf 72,8 Prozent — zuvor waren es 73,3 Prozent. Als Grund nannte Goldman höhere Hardwarekosten. Die SAP-Aktie verlor daraufhin rund vier Prozent.

Kaufempfehlung und Kursziel blieben allerdings unangetastet. Goldman hält am 12-Monats-Kursziel von 230 Euro fest und sieht die KI-Produktzyklusstrategie weiterhin intakt. Auch die organische Wachstumsschätzung für den Cloud Current Backlog bleibt bei 23,5 Prozent für das zweite Quartal.

Oracle-Zahlen erschüttern den Sektor

Einen Tag später kam der nächste Schlag — diesmal von Oracle. Der US-Konzern meldete starke Umsatz- und Gewinndaten, kündigte aber Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 an. Das übertraf die Erwartungen der Wall Street erheblich. Zwar will Oracle bis zu 25 Milliarden davon durch Kundenrückzahlungen kompensieren. Dennoch schürte das Programm Sorgen über den Kapitalbedarf im KI-Wettbewerb — und belastete den gesamten Sektor, SAP eingeschlossen.

Obendrein stufte die UBS europäische IT-Aktien sektorweit ab. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagierten.

Makrodruck und Bewertungsrisiko

Hinzu kommt ein ungünstiges Zinsumfeld. Goldman Sachs verschob seine Erwartung für US-Zinssenkungen vollständig aus 2026 in das Jahr 2027. Für hoch bewertete Wachstumstitel wie SAP bedeutet das: höhere Abzinsungsfaktoren, niedrigere Bewertungen.

Analysten sehen außerdem strukturelle Risiken. Das Cloud-Backlog-Wachstum könnte sich verlangsamen, weil die Migrationsbasis reifer wird. Zudem priorisieren viele Unternehmenskunden derzeit die KI-Adoption gegenüber einer schnellen Umstellung auf Cloud-Lösungen.

Kurs nahe am Jahrestief

Freitag schloss SAP bei 141,52 Euro — nur 4,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 13. Mai. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 30 Prozent verloren, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar fast 45 Prozent. JPMorgan beließ die Bewertung nach den Oracle-Zahlen bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro.

Den nächsten konkreten Test liefert der Quartalsbericht am 23. Juli. Goldman erwartet ein ähnliches makroökonomisches Umfeld wie zum Ende des ersten Quartals. Ermutigende Signale gab es zuletzt von der SAPPHIRE-Nutzerkonferenz, wo sich eine verbesserte Pipeline zeigte — ob das reicht, um die Skepsis der Märkte zu drehen, entscheidet sich dann in vier Wochen.