Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit massiv auseinander. Die Aktie rutschte am Freitag auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 132,26 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf rund 34 Prozent.

Historisch günstige Bewertung

Analysten werten diese Entwicklung als übertrieben. Berenberg bestätigt die Einstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 215 Euro. Analyst Nay Soe Naing verweist auf eine historisch niedrige Bewertung im Softwaresektor. Der Markt ignoriere das stabile Umsatzwachstum von SAP. Anleger kaufen fast ausschließlich Titel mit klarem Profil für Künstliche Intelligenz oder Cybersecurity. Der Walldorfer Konzern gilt dabei fälschlicherweise oft als Verlierer dieses Trends.

Die Großbank UBS teilt den Optimismus für das Unternehmen. Sie belässt ihr Kursziel bei 205 Euro. Analyst Michael Briest rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Margen. Ein wesentlicher Treiber dafür sei das makroökonomische Umfeld. Der Waffenstillstand im Nahen Osten und das US-Iran-Abkommen drücken die Ölpreise. Das senkt die operativen Kosten für global agierende Konzerne.

Charttechnik gegen Fundamentaldaten

Die Quartalszahlen stützen die Analysten. Im ersten Quartal 2026 steigerte SAP den Umsatz um rund sechs Prozent auf 9,56 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie kletterte auf 1,66 Euro. Dennoch herrscht am Markt Skepsis. Marktbeobachter kritisieren vor allem die zähe S/4HANA-Migration. Teile der Community empfinden das Tempo als zu langsam. Die Folge: anhaltender Verkaufsdruck.

Am 23. Juli 2026 legt SAP die Ergebnisse für das zweite Quartal vor. Dieser Termin wird zur echten Bewährungsprobe. Das Management muss die prognostizierte Margensteigerung mit harten Fakten belegen. Gelingt das, könnte die Aktie den gigantischen Abstand von fast 50 Prozent zum bisherigen Jahreshoch wieder verringern.