SAP notiert bei 134 Euro — knapp über dem frisch markierten 52-Wochen-Tief. Seit Juli 2025 hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Und ausgerechnet jetzt hält Berenberg an einem Kursziel von 215 Euro fest.

Gute Zahlen, falsche Story

Berenberg-Analyst Nay Soe Naing belässt SAP auf „Buy“ mit Kursziel 215 Euro. Seine Diagnose ist klar: Die Fundamentaldaten stimmen, aber der Markt interessiert sich nicht dafür. Stabiles Umsatzwachstum und ein wachsender Auftragsbestand reichen schlicht nicht aus, um Käufer anzulocken.

Der Grund liegt im dominierenden Thema der Branche. Anleger kaufen derzeit nur, was als direkter KI-Gewinner gilt. SAP fällt in diese Kategorie — aus Marktsicht — noch nicht überzeugend genug. Die Folge: eine historisch niedrige Bewertung, obwohl das Unternehmen operativ liefert.

Das KGV für 2026 liegt bei etwa 20, die erwartete Cashflow-Rendite bei über 6 Prozent. Beides klingt attraktiv. Zu einer nachhaltigen Erholung hat es bislang nicht geführt.

Sektordruck von außen

Der Absturz hat nicht nur interne Ursachen. Oracle kündigte Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für 2027 an — das alarmierte Investoren sektorweit. Hinzu kam eine Verlangsamung im Cloud-Softwaregeschäft und eine Abstufung europäischer IT-Aktien durch die UBS. SAP geriet in diesen Sog.

Seit Jahresanfang liegt die Aktie rund 34 Prozent im Minus. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 185,65 Euro ist längst unterschritten. Der RSI von 33,6 signalisiert überverkaufte Bedingungen — ohne dass das bislang Käufer mobilisiert hätte.

KI-Strategie ohne direkten Umsatzhebel

Operativ liefert SAP solide Zahlen. Der Cloud-Auftragsbestand lag im ersten Quartal 2026 bei 21,9 Milliarden Euro, ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr erwartet SAP Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro sowie einen Free Cashflow von rund 10 Milliarden Euro.

Die KI-Strategie nimmt Fahrt auf. Ab Juni 2026 rollt SAP 13 neue Joule-Assistenten für das Personalwesen aus. Über 200 spezialisierte KI-Agenten für Finanzen, Beschaffung und Lieferketten plant der Konzern langfristig. Das Ziel: ein vollständig autonomes Unternehmen.

Allerdings fehlt ein direkter Umsatzhebel. Für RISE-Kunden sind drei Assistenten im ersten Jahr inklusive. Den vollen Umfang gibt es nur über teure Premium-Verträge. Die Monetarisierung läuft schleppend — und genau das sehen Anleger als Problem.

Halbjahresbericht als nächster Test

Am 23. Juli 2026 veröffentlicht SAP den Halbjahresbericht. Investoren schauen dabei auf zwei Kennzahlen: den Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge. Beide entscheiden, ob die KI-Strategie kommerziell Substanz gewinnt.

Das Kursziel von 215 Euro impliziert beim aktuellen Kurs ein Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent. Berenberg hält daran fest — trotz eines Kursverfalls, der in dieser Größenordnung für ein DAX-Schwergewicht selten ist. Ob der Halbjahresbericht die Narrative dreht, hängt davon ab, ob SAP erstmals konkrete Zahlen zur KI-Monetarisierung vorlegen kann.