Fast die Hälfte des Kurswertes ist weg. Die SAP-Aktie notiert rund 49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 266,00 Euro — und das Jahrestief vom 25. Juni bei 130,80 Euro liegt nur vier Prozent entfernt. Der Freitags-Rebound von knapp vier Prozent auf 136,16 Euro beruhigt, löst aber nichts.
Rückkaufprogramm als einziger Puffer
SAP kauft seit Februar 2026 eigene Aktien zurück. Das aktuelle Budget beträgt bis zu 2,6 Milliarden Euro. In der ersten Tranche erwarb der Konzern rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Schnitt von 161,16 Euro — deutlich über dem aktuellen Kurs. Auf diesem Niveau kauft SAP also günstiger zurück als zuvor. Das Gesamtprogramm läuft bis Ende 2027 und umfasst bis zu zehn Milliarden Euro.
Ein echter Bodenbildungs-Impuls ist das allein nicht. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 183,34 Euro — rund 26 Prozent über dem aktuellen Kurs. Die technische Ausgangslage bleibt schwach.
Analysten bleiben bullisch, senken aber Ziele
Goldman Sachs hat die Margenprognosen für das zweite Halbjahr gesenkt. Grund: höhere Hardwarekosten. Die Schätzung für die Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 fiel von 73,3 auf 72,8 Prozent. Die Kaufempfehlung blieb, die Bank hält die KI-getriebene Produktstory für intakt.
Jefferies-Analyst Charles Brennan senkte das Kursziel von 230 auf 210 Euro — ebenfalls bei Kaufempfehlung. Der Konsens aus neun Analysen liegt im Schnitt bei 218,75 Euro. Das wären mehr als 60 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs.
Hinzu kommt ein konkretes Risiko: Ein Großkunde aus dem Nahen Osten wird seine Aktivitäten voraussichtlich zurückfahren. Das belastet das Cloud-Umsatzwachstum noch bis ins zweite Quartal hinein.
Q2-Zahlen am 23. Juli
Im ersten Quartal lief das Geschäft noch rund. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz stieg um 19 Prozent, der Gewinn je Aktie kletterte von 1,52 auf 1,66 Euro.
Ob das zweite Quartal ähnlich solide ausfällt, zeigt sich am 23. Juli 2026. Bis dahin gilt die Quiet Period — seit dem 22. Juni schweigt das Management zu Geschäftsentwicklung und Ausblick. In der Zwischenzeit dürfte die Aktie vor allem vom Sentiment im europäischen Tech-Sektor abhängen. Salesforce und ServiceNow standen zuletzt ebenfalls unter Druck, weil Investoren die KI-Monetarisierung der gesamten Branche kritisch prüfen.
Längerfristig hat SAP einen Auftrag gewonnen, der Substanz hat: Gemeinsam mit der Deutschen Telekom entwickelt der Konzern eine souveräne KI-Cloud-Plattform für Bund, Länder und Kommunen. Das Bundesdigitalministerium investiert 250 Millionen Euro. Der Auftrag ist Teil des sogenannten Deutschland-Stacks. Kurzfristig ändert das nichts am Kursdruck — aber es zeigt, wo SAP langfristig Wachstum sieht.
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