SAP verordnet sich selbst einen Maulkorb. Bis Ende Juli herrscht in Walldorf die sogenannte Quiet Period. Das Unternehmen darf sich nicht zu aktuellen Geschäften äußern. Diese Nachrichtensperre trifft den Softwarekonzern in einer extrem schwachen Börsenphase.
Anleger müssen bis zum 23. Juli auf harte Fakten warten. An diesem Tag veröffentlicht SAP um 22:05 Uhr die Zahlen für das zweite Quartal. Kurz darauf folgt die Analystenkonferenz. Bis dahin gibt es keine Kommentare zu Umsatz, Cloud-Wachstum oder der Jahresprognose.
Der Blick auf den Kurszettel verdeutlicht die aktuelle Anspannung. Die SAP-Aktie notiert derzeit bei 132,40 Euro. Damit hat das Papier seit Jahresbeginn gut 34 Prozent an Wert verloren.
Die Folge: Erst vor wenigen Tagen markierte der Kurs mit 130,82 Euro ein neues Jahrestief. Analysten wie Michael Briest von der UBS bleiben dennoch optimistisch. Er rät weiter zum Kauf und belässt sein Kursziel bei 205 Euro. Briest rechnet mit leichten Margenverbesserungen im abgelaufenen Quartal.
Milliarden-Wette auf Künstliche Intelligenz
Parallel zur Kommunikationsstille treibt SAP den Ausbau seiner KI-Fähigkeiten voran. Zwei im Mai angekündigte Übernahmen stehen vor dem Abschluss. Der Kauf des Data-Lakehouse-Spezialisten Dremio soll im dritten Quartal über die Bühne gehen. Die Übernahme des KI-Labors Prior Labs erwartet das Management bis spätestens Herbst 2026.
Die Transaktionen zielen darauf ab, Daten aus SAP- und Fremdsystemen reibungsloser zu verknüpfen. Dafür nimmt der Konzern viel Geld in die Hand. SAP investiert über vier Jahre hinweg eine Milliarde Euro in Prior Labs. Die Einheit bleibt unabhängig und soll spezielle KI-Modelle entwickeln. Auf die behördlichen Genehmigungen wartet Walldorf allerdings noch.
Der 23. Juli wird zum entscheidenden Termin für die Aktie. SAP muss dann beim Cloud-Wachstum überzeugen und Fortschritte bei der Kostenkontrolle belegen. Liefert der Vorstand hier belastbare Zahlen, könnte sich der Kurs vom aktuellen Tief lösen.
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