Große KI-Visionen auf der Bühne, tiefe rote Zahlen auf dem Kurszettel. Bei SAP klaffen Anspruch und Marktrealität derzeit weit auseinander. Während der Konzern auf seiner Hausmesse Sapphire neue KI-Funktionen präsentiert, rutschte die Aktie am Mittwoch auf ein neues 52-Wochen-Tief ab.

Der Kurs fiel auf exakt 138,00 Euro. Am heutigen Donnerstag pendelt das Papier leicht im Plus bei 138,24 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Software-Riese damit fast 32 Prozent seines Wertes verloren.

JPMorgan bremst die Erwartungen

Die US-Bank JPMorgan belässt die Einstufung auf „Neutral“. Analyst Toby Ogg sieht das Kursziel weiterhin bei 175 Euro. Er lobt die KI-Integration in die Kernprozesse. Viele Kunden befinden sich laut Ogg aber noch in einer Orientierungsphase.

Belastend wirkt das langsamere Wachstum beim Cloud-Backlog. SAP verknüpft neue Funktionen wie den KI-Assistenten Joule eng mit dem Wechsel in die Cloud. Bestandskunden mit klassischen Systemen müssen mindestens die Hälfte ihrer Wartungsausgaben in die Cloud verlagern. Nur dann erhalten sie vollen Zugriff auf die neuen Werkzeuge.

Sicherheitslücken sorgen für Unruhe

Die Folge: Viele Kunden zögern. Technische Probleme trüben das Bild zusätzlich. SAP meldete kritische Sicherheitslücken in den Systemen Commerce Cloud und S/4HANA. Angreifer könnten theoretisch fremden Code ausführen oder sensible Daten abgreifen. Administratoren müssen umgehend entsprechende Updates installieren.

Blick auf das zweite Quartal

Nach der Dividendenzahlung von 2,50 Euro je Aktie Anfang Mai rückt nun das operative Geschäft in den Fokus. Am 23. Juli 2026 legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal vor. Dann muss das Management beweisen, dass die harte Migrationsstrategie erste finanzielle Erfolge liefert. Außerdem erwarten Marktbeobachter Details zur Integration des übernommenen Stammdaten-Spezialisten Reltio.