Die spanische Großbank Santander hat SAP am 1. September von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurückgestuft. Als Begründung nannten die Analysten Bedenken zur Monetarisierung der KI-Strategie sowie zur aktuellen Bewertung des Softwarekonzerns. Die Abstufung reiht sich in eine Serie kritischer Stimmen ein, die sich zuletzt am Tempo der SAP-eigenen KI-Agenten-Offensive störten.

Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 185,10 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 2,6 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier 12 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie mittlerweile 24 Prozent.

Kartellverfahren beendet, Übernahmen abgeschlossen

Abseits der Analystendebatte hat SAP zuletzt regulatorische Altlasten abgeräumt. Das Bundeskartellamt verzichtete Ende Juli auf die Einleitung eines Kartellverfahrens, zuvor hatte die Europäische Kommission bereits ihre Untersuchung zu den On-Premise-Wartungs- und Support-Richtlinien des Konzerns eingestellt. Beide Entscheidungen nahm SAP in eigenen Mitteilungen ausdrücklich positiv auf.

Auf der operativen Seite hat der Konzern seine Datenplattform-Strategie mit zwei Zukäufen verstärkt: der Data-Lakehouse-Anbieter Dremio wurde Anfang Juli übernommen, das KI-Startup Prior Labs aus Freiburg vor über einem Monat – seither hat die SAP-Aktie um 33,6 Prozent zugelegt.

Prior Labs bleibt als eigenständige Marke innerhalb der Gruppe bestehen, SAP plant über die kommenden vier Jahre eine Investition von mehr als einer Milliarde Euro in die Integration tabellarischer Foundation Models für Geschäftsdatenprognosen.

Rückkaufprogramm nimmt Fahrt auf

Parallel zu den Übernahmen treibt SAP sein im Januar angekündigtes Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro voran. Bis Ende Juni hatte der Konzern bereits gut 16,28 Millionen eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurückgekauft, ein Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro.

Das Programm läuft bis Ende 2027 und signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung – ein Kontrapunkt zur zurückhaltenderen Analystensicht.

Auch auf der Investorenseite bleibt SAP im Fokus: BlackRock meldete Anfang August einen Stimmrechtsanteil von 6,75 Prozent, ein leichter Anstieg gegenüber der vorherigen Meldung von 6,74 Prozent.

Geschäftszahlen zeigen solides Cloud-Wachstum

Die im Juli veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal untermauern, warum die Bewertungsdebatte trotz Kursschwäche nicht abreißt. Der Cloud-Umsatz legte währungsbereinigt um 24 Prozent zu, die Cloud-ERP-Suite sogar um 27 Prozent. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der Current Cloud Backlog, wuchs auf 22,9 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz stieg währungsbereinigt um 11 Prozent auf 9,878 Milliarden Euro.

Bei der Jahresprognose musste SAP allerdings leicht nachjustieren: Die Spanne für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 rutschte von zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro auf nunmehr 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, bedingt durch Verwässerungseffekte aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs von zusammen über 100 Millionen Euro.

Die Cloud-Umsatzprognose für das Gesamtjahr bleibt mit 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bestehen, ein erwartetes Wachstum von 23 bis 25 Prozent währungsbereinigt.

Die nächsten Quartalszahlen, für das dritte Quartal 2026, sollen am 21. Oktober veröffentlicht werden. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob das solide Cloud-Wachstum die Skepsis der Analysten zur KI-Monetarisierung zerstreuen kann.