Die SAP-Aktie setzt ihre Erholung fort. Am heutigen Montag springt das Papier um 3,21 Prozent auf 164,52 Euro und lässt damit den Schlusskurs vom Freitag bei 159,40 Euro hinter sich. Damit summiert sich die kurzfristige Kurserholung auf ein deutliches Plus – getragen von einer Serie positiver Nachrichten aus den vergangenen Wochen: der Entwarnung in zwei Kartellverfahren, robusten Cloud-Zahlen zum zweiten Quartal und einem privaten Aktienkauf von Vorstandschef Christian Klein.
Kartellrechtliche Entwarnung entlastet die Aktie
Zwei wettbewerbsrechtliche Baustellen sind in den vergangenen Wochen abgearbeitet worden. Die EU-Kommission schloss ihre Untersuchung der On-Premise-Wartungsrichtlinien von SAP am 9. Juli ab, nachdem der Konzern verbindliche Zusagen für mehr Flexibilität bei Kundenlizenzen gemacht hatte. Wenige Wochen später, am 30. Juli, zog auch das Bundeskartellamt seine Vorermittlungen wegen des Verdachts auf Marktmachtmissbrauch zurück, ohne ein förmliches Verfahren einzuleiten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Beide Entscheidungen nehmen ein Risiko von der Aktie, das die Notierung zuvor belastet hatte.
Cloud-Wachstum überzeugt, Gewinn bleibt hinter den Erwartungen
Im Zentrum der Kurserholung stehen die Zahlen zum zweiten Quartal, die SAP am 23. Juli vorlegte. Der Cloud-Umsatz kletterte währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Current Cloud Backlog wuchs um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz legte um 11 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro zu. Getrübt wurde das Bild vom Ergebnis je Aktie: Mit 1,59 Euro auf Non-IFRS-Basis blieb SAP unter den Markterwartungen. Der Konzern senkte zugleich seine Prognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro in Aussicht standen – Verwässerungseffekte durch die Übernahmen von Prior Labs und Dremio belasten die Marge. Das Cloud-Umsatzziel von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro für das Gesamtjahr blieb dagegen unverändert. Beide Zukäufe wurden im Juli final abgeschlossen und sollen die von SAP verfolgte „Autonomous Enterprise“-Strategie stärken.
CEO-Kauf und Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
Am selben Tag wie die Quartalszahlen kaufte Christian Klein SAP-Aktien im Wert von 325.219 Euro zu einem Durchschnittskurs von 133,60 Euro – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis in die eigene Strategie werten. Bereits zum 1. Juli hatte Klein laut einem Bericht des Handelsblatts die direkte Leitung zentraler Bereiche der Technologieentwicklung übernommen, mit Fokus auf die Integration von Künstlicher Intelligenz. Zusätzlichen Rückenwind lieferte der Kapitalmarkt selbst: Am 27. Juli startete SAP die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms 2026 mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro, was rund 18,5 Millionen Aktien entspricht. Das bis Ende 2027 laufende Gesamtprogramm sieht Rückkäufe von bis zu 10 Milliarden Euro vor.
Analysten mit unterschiedlichen Kurszielen
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Quartalszahlen fielen unterschiedlich aus. Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte am 23. Juli seine Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf den starken Cloud-Auftragsbestand. Goldman Sachs aktualisierte sein Kursziel am 24. Juli auf 215 Euro, während JPMorgan mit 175 Euro und UBS mit 164 Euro deutlich vorsichtiger blieben. Die Spanne der Einschätzungen spiegelt die gemischte Nachrichtenlage wider: starkes Cloud-Wachstum auf der einen, eine gesenkte Gewinnprognose auf der anderen Seite.
Trotz der jüngsten Erholung notiert die Aktie noch 5,64 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 174,35 Euro – die mittelfristige Erholung ist also noch nicht vollständig nachgeholt. Die Analysten der Beratungsgesellschaft Carlsquare bezeichneten das Jahr 2027 in einem am Montag veröffentlichten Marktüberblick als Entscheidungsjahr für die KI-Transformation der SAP-Kundenbasis, da dann die Unterstützung für ECC-Altsysteme auslaufe. Die nächste Standortbestimmung liefert SAP mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 21. Oktober angesetzt sind.
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