Auslöser für den jüngsten Kursrutsch war ausgerechnet ein Wettbewerber: IBM verfehlte mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar die Erwartungen von 17,86 Milliarden US-Dollar deutlich. Die Reaktion der Anleger traf SAP mit voller Wucht – am 15. Juli brach der Kurs um 5,6 Prozent ein. Branchenbeobachter sorgen sich, dass IT-Budgets künftig stärker in Hardware-Infrastruktur statt in Softwarelösungen fließen könnten, was auch SAPs Cloud-Geschäft belasten würde.

Der Kurs notiert aktuell bei 136,22 Euro und damit nur noch 4,14 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 32,56 Prozent an Wert verloren – ein Ausmaß, das die Nervosität rund um den IBM-Effekt zusätzlich erklärt.

Kartellverfahren beigelegt, Sicherheitslücke gepatcht

Abseits der Wettbewerbssorgen gab es für SAP zuletzt auch positive Nachrichten. Die EU-Kommission hat die Verpflichtungszusagen des Konzerns im seit September 2025 laufenden Kartellverfahren um On-Premise-Wartungsdienste akzeptiert und das Verfahren ohne Geldbuße eingestellt. SAP verzichtet künftig auf Reaktivierungsgebühren für zurückkehrende Kunden und erleichtert den Support durch Drittanbieter. Für den Konzern bedeutet das Rechtssicherheit in einem Geschäftsfeld, das zuvor regulatorisch belastet war.

Parallel dazu musste SAP im Rahmen des Juli-Patchdays vor einer kritischen Sicherheitslücke warnen. Die Schwachstelle mit der Kennung CVE-2026-44747 betrifft den NetWeaver AS ABAP und erreicht einen CVSS-Score von 9,9 – nahezu der Höchstwert der Skala. Betroffenen Kunden riet der Konzern, bestimmte ICF-Knoten sofort zu deaktivieren oder die bereitgestellten Patches umgehend einzuspielen.

Übernahmen sollen KI-Strategie untermauern

Strategisch treibt SAP unterdessen den Ausbau seiner Datenplattformen voran. Anfang Juli meldete der Konzern den erfolgreichen Abschluss der Übernahme von Dremio, einem Anbieter von Data-Lakehouse-Plattformen. Ziel ist es, die Datenintegration für KI-Anwendungen zu beschleunigen. Bereits im April hatte SAP die Absicht zur Übernahme von Reltio Inc. bekanntgegeben, einem Spezialisten für Master Data Management, um Unternehmensdaten „KI-bereit“ zu machen.

Diese Zukäufe stehen im Kontext der „Autonomous Enterprise“-Strategie, die im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen verstärkt in den Fokus rückt. Im Zentrum steht der KI-Assistent Joule. Marktbeobachter prüfen jedoch kritisch, wie schnell die angekündigten KI-Agenten tatsächlich in der Praxis ankommen – eine Frage, die auch bei der kommenden Analystenkonferenz eine Rolle dürfte spielen.

Rückkauf läuft, UBS bleibt optimistisch

Operativ läuft parallel das große Aktienrückkaufprogramm weiter. Die erste Tranche mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro – Teil eines Gesamtprogramms von bis zu 10 Milliarden Euro – soll spätestens am 27. Juli über die Börse abgeschlossen sein. Das Programm stützt rechnerisch den Kurs, auch wenn es den fundamentalen Gegenwind der vergangenen Monate bislang nicht kompensieren konnte.

Von der Analystenseite kam zuletzt Rückenwind: UBS-Analyst Michael Briest bekräftigte Ende Juni seine Kaufempfehlung für die SAP-Aktie mit einem Kursziel von 205 Euro und verwies auf erwartete Margenverbesserungen im zweiten Quartal. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, zeigt sich am 23. Juli, wenn SAP die Finanzergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Die Zahlen sind für 22:05 Uhr MESZ terminiert, im Anschluss folgt um 23:00 Uhr die Analystenkonferenz. Nach dem IBM-bedingten Kursrutsch dürfte insbesondere das Cloud-Wachstum und der Fortschritt bei der KI-Monetarisierung im Mittelpunkt der Anlegererwartungen stehen.