SAP-Aktionäre haben eine harte Woche hinter sich. Am Donnerstag markierte die Aktie noch ein neues 52-Wochen-Tief bei 127,52 Euro. Einen Tag später schoss der Kurs um 9,15 Prozent nach oben und schloss bei 140,80 Euro. Der Auslöser: Quartalszahlen, die zeigen, dass das Cloud-Geschäft trotz aller Skepsis weiter kräftig wächst.

Cloud-Wachstum treibt den Umsatz

Das Cloud-Geschäft bleibt der zentrale Wachstumsmotor des Walldorfer Konzerns. Im zweiten Quartal stieg der Cloud-Umsatz um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Noch stärker legte die Cloud ERP Suite zu: Ihre Erlöse kletterten um 25 Prozent auf 5,53 Milliarden Euro.

Ein Wert sticht besonders heraus. Der Cloud-Auftragsbestand erreichte Ende Juni ein Volumen von 22,93 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr — und laut SAP hat sich das Wachstum damit sogar beschleunigt.

KI-Strategie zieht bei Großkunden

CEO Christian Klein setzt weiter auf die Transformation zum „Autonomous Enterprise“. Künstliche Intelligenz soll tief in die Geschäftsprozesse der Kunden einfließen. Diese Strategie kommt an: KI-Lösungen und der Daten-Cloud-Bereich waren in mehr als 90 Prozent der 50 größten Deals des Quartals enthalten.

SAP will bis Jahresende über 400 autonome KI-Agenten einführen. Der KI-Assistent „Joule“ soll dabei die Kundenprozesse automatisieren. Um die technische Basis zu stärken, hat SAP zwei Datenplattformen übernommen: Dremio (Abschluss am 6. Juli) und Prior Labs (Abschluss am 17. Juli).

Gewinn wächst, Prognose bleibt vorsichtig

Der IFRS-Betriebsgewinn stieg im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie legte deutlich zu — um 30 Prozent auf 1,89 Euro. Für das Gesamtjahr hält SAP an seinem Cloud-Umsatzziel von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro fest.

Beim Betriebsergebnis musste der Konzern die Prognose leicht senken. Grund sind Verwässerungseffekte durch die beiden Übernahmen. Das Management erwartet nun 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, statt zuvor bis zu 12,3 Milliarden Euro.

Ausblick bleibt von Risiken begleitet

Der Kurssprung markiert eine deutliche Gegenbewegung nach einem schwachen Jahr. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch immer rund 32 Prozent im Minus. Analysten loben die operative Stabilität des Konzerns, warnen aber vor geopolitischen Risiken im Nahen Osten. Diese Spannungen haben bei Großkunden bereits zu längeren Entscheidungszyklen geführt.

Die Volatilität der Aktie bleibt mit knapp 43,5 Prozent auf Jahressicht hoch. Das zeigt: Der Markt bewertet die kommenden Schritte der KI-Roadmap weiterhin mit Vorsicht. Ob sich die Erholung fortsetzt, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sich die angekündigten KI-Agenten in echte Kundenumsätze übersetzen.