Starke operative Zahlen, aber ein katastrophaler Aktienkurs. Bei SAP klaffen Realität und Marktreaktion derzeit massiv auseinander. Das Papier schloss am Freitag bei 134,00 Euro und damit haarscharf über dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf herbe 33 Prozent.
Analysten extrem uneins
Selten sind sich Experten bei einem DAX-Schwergewicht so uneinig. Bernstein sieht ein Kursziel von 276 Euro und rät zum Kauf. JPMorgan bleibt auf Abstand und vergibt lediglich ein „Hold“-Rating. Zwischen den Lagern liegen fast 100 Euro Differenz.
Mehrere Faktoren belasten den Kurs. Goldman Sachs senkte kürzlich die Margenprognose für das zweite Halbjahr 2026. Gestiegene Hardwarekosten drücken auf die Profitabilität. Hinzu kommt ein Branchenschock. Oracle kündigte Investitionen von bis zu 95 Milliarden Dollar an. Das schürt Ängste vor einer ausufernden Kostenspirale im Cloud-Sektor. Die Folge: Kursdruck.
Ein weiteres Problem ist das Zinsumfeld. Zinssenkungen rücken laut Goldman Sachs bis 2027 in weite Ferne. Das drückt die Bewertung teurer Wachstumstitel spürbar nach unten. Die SAP-Aktie notiert mittlerweile fast 28 Prozent unter ihrer 200-Tage-Linie.
Der Blick auf das zweite Quartal
Am 23. Juli legt der Softwarekonzern seine neuen Quartalszahlen vor. Die Erwartungen sind nach einem starken Jahresauftakt gedämpft. Das Management warnte bereits vor einem schwächeren Cloud-Wachstum. Einmalige Effekte aus dem ersten Quartal entfallen. Ein großer Kunde aus dem Nahen Osten will seine Aktivitäten obendrein zurückfahren.
Parallel baut SAP sein Geschäft durch Zukäufe aus. Der Konzern übernimmt die Datenplattform Dremio. Damit will das Management seine KI-Fähigkeiten stärken. Der Abschluss ist für das dritte Quartal geplant. Um das zu finanzieren, platzierte das Unternehmen Ende Mai erfolgreich Anleihen über 3,5 Milliarden Euro.
Milliarden für eigene Aktien
Ein milliardenschweres Rückkaufprogramm stützt den Kurs zumindest teilweise. SAP will bis Ende 2027 massiv eigene Papiere erwerben. Die erste Tranche über 2,6 Milliarden Euro ist bereits abgeschlossen. Das Unternehmen kaufte die Aktien zu einem Durchschnittskurs von rund 161 Euro zurück.
Die kommenden Wochen entscheiden über die kurzfristige Richtung. Hält die charttechnische Unterstützung beim jüngsten Tief von 132,26 Euro nicht, drohen weitere Abgaben. Der Quartalsbericht am 23. Juli liefert die nächsten harten Fakten zur Cloud-Nachfrage.
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