Während der DAX heute zeitweise unter 25.000 Punkte rutschte, schwimmt SAP gegen den Strom. Ein massiver Abverkauf im Tech-Sektor trifft Halbleiter- und Hardware-Werte hart — das Walldorfer Softwarehaus gehört zu den wenigen Gewinnern im deutschen Leitindex.

Die Aktie notiert aktuell bei 134,64 Euro, ein Plus von 2,70 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs. Das ist bemerkenswert, weil das Papier erst gestern sein 52-Wochen-Tief bei 130,82 Euro markiert hatte. Zum Vergleich: Infineon verliert heute 6,3 Prozent, ASML sogar knapp 7 Prozent.

Bank of America gibt Rückenwind

Ein konkreter Kurstreiber ist eine aktuelle Einschätzung der Bank of America. Die US-Großbank bestätigte heute ihre Kaufempfehlung für SAP — mit einem Hinweis auf die Q2-Zahlen, die Ende Juli erwartet werden. Die BofA rechnet mit einem „gemischten“ Quartal und senkte ihre Schätzungen leicht. Der Markt hat das offenbar bereits verarbeitet. Das Vertrauen in das Cloud-Wachstum und die KI-Strategie überwiegt kurzfristige Bedenken.

Das stabile Abo-Modell aus dem Cloud-Geschäft wirkt im aktuellen Umfeld wie ein Schutzschild. Steigende Zinsängste und ein Halbleiter-Crash bei Micron und Samsung treiben Anleger in Werte mit verlässlichen Cashflows. SAP passt in dieses Bild.

Oracle als Kontrastfolie

Noch deutlicher wird die relative Stärke im Vergleich zu Oracle. Der US-Konkurrent kündigte heute den Abbau von rund 21.000 Stellen an — etwa 13 Prozent der weltweiten Belegschaft. Begründung: zunehmende Automatisierung durch KI. Die Abfindungskosten belaufen sich auf 1,84 Milliarden US-Dollar.

SAP setzt auf einen anderen Weg. CEO Christian Klein hatte auf der Sapphire-Konferenz im Mai eine KI-Offensive angekündigt, die Bestandskunden beim Umbau ihrer Systeme unterstützen soll. Für Q3 2026 plant SAP einen neuen Migrationsassistenten, der den Wechsel auf S/4HANA erleichtern soll. Der Support für das Altsystem ECC läuft Ende 2030 aus — ein natürlicher Migrationsdruck, der SAP langfristig Umsatz sichert.

Erholung mit Makel

Der heutige Kurssprung ändert nichts an der übergeordneten Lage. SAP hat seit Jahresbeginn rund 33 Prozent verloren. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 184,73 Euro — mehr als 27 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der Abwärtstrend ist intakt.

Das Q2-Ergebnis Ende Juli wird zeigen, ob die BofA-Prognose eines „gemischten“ Quartals die Erholung trägt oder abwürgt. Hält SAP die Unterstützung knapp oberhalb des gestrigen Tiefs, könnte das erste echte Kaufsignale setzen.