SAP steht vor einer entscheidenden Woche. Am Donnerstagabend um 22:05 Uhr legt der Walldorfer Softwarekonzern seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Kurs notiert bei 135,00 Euro, nur 3,21 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro. Diese Nähe zum Jahrestief macht den Termin zur Weichenstellung für den weiteren Trend.

Ausgangslage: Konzern im Abwärtstrend

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 35,21 Prozent verloren. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 260,80 Euro vom Juli 2025 steht sogar ein Minus von 48,24 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt derzeit klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 144,44 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 174,81 Euro.

Der RSI von 42,4 zeigt weder eine überverkaufte noch eine überkaufte Aktie. Der Markt wartet ab. Die Zahlen kommen spät am Abend, eine volle Reaktion dürfte deshalb erst am Freitag sichtbar werden.

Die entscheidende Frage: Hält das Cloud-Wachstum?

Im Zentrum steht die Wachstumsgeschwindigkeit im Cloud-Geschäft. Analysten erwarten für das zweite Quartal einen Cloud-Umsatz von 6,26 Milliarden Euro. Das entspräche einem Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dahinter steckt eine grundsätzlichere Frage. Kann SAP seine Marktposition durch eigene KI-Angebote und die Kontrolle über geschäftskritische Daten verteidigen? Oder ersetzen sogenannte KI-Agenten zunehmend klassische Softwarearchitekturen? Fällt das Cloud-Wachstum unter die Marke von 22 Prozent, dürfte das die strukturellen Sorgen der Anleger verstärken.

Bullisches Szenario: Datenhoheit als Vorteil

Für eine Erholung spricht die fundamentale Marktposition. Mit einer Marktkapitalisierung von 162,68 Milliarden Euro bleibt SAP ein Schwergewicht im europäischen Tech-Sektor. Befürworter verweisen auf den starken Cloud-Auftragsbestand aus dem ersten Quartal, der um 25 Prozent zulegte.

Übertrifft der Cloud-Umsatz die erwarteten 6,26 Milliarden Euro und liegt das bereinigte Ergebnis je Aktie über der Prognose von 1,75 Euro, könnte eine technische Gegenbewegung folgen. Ein Ausbruch über den 50-Tage-Durchschnitt von 144,44 Euro würde das Chartbild deutlich aufhellen. Das mittlere Kursziel der Analysten liegt Medienberichten zufolge derzeit bei 199,57 Euro.

Bärisches Szenario: Der Bruch der Unterstützung droht

Das Risiko ist technisch wie fundamental greifbar. Bei 129,35 Euro liegt eine wichtige Unterstützung. Brechen enttäuschende Zahlen diese Marke, könnte sich der Abwärtstrend beschleunigen.

Rutscht der Kurs unter das 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, rückt die 118-Euro-Marke in den Blick. Hinzu kommt die allgemeine Marktskepsis gegenüber der Profitabilität von KI-Investitionen. Auch bei Alphabet und Microsoft gaben die Kurse im Vorfeld ihrer Zahlen bereits nach.

Verfehlt SAP die für das zweite Quartal erwartete operative Marge von 29,4 Prozent, dürfte das Vertrauen in den laufenden Konzernumbau leiden. Genau diese Effizienzfrage dürfte am Donnerstag im Fokus stehen.

Ausblick: Der Donnerstagabend entscheidet

Solange der Kurs die Marke von 129,35 Euro auf Schlusskursbasis hält, bleibt eine Bodenbildung innerhalb der seit März laufenden Handelsspanne möglich. Wird SAP beim Cloud-Ausblick für das restliche Jahr vorsichtiger oder verfehlt die Konsensschätzung beim Umsatz von 9,85 Milliarden Euro, dürften die Verkäufer die Oberhand behalten.

Entscheidend wird, ob SAP den starken Cloud-Auftragsbestand tatsächlich in Umsatz umwandeln kann. Der nächste Katalysator steht bereits fest: der Quartalsbericht am Donnerstag um 22:05 Uhr, gefolgt von der Analystenkonferenz mit weiteren Details zur Monetarisierung der KI-Angebote.