BlackRock hat seinen Anteil an SAP zum 5. August auf 6,75 Prozent aufgestockt, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Fast zeitgleich, am 14. August, kaufte ein Vorstandsmitglied 1.700 eigene Aktien zu 179,15 Euro.

Zwei Signale, die für Zuversicht stehen – und die sich mit der skeptischen Note interessieren, die UBS-Analysten gestern in den Markt gegeben haben. Für mich ist genau dieser Widerspruch die eigentliche Geschichte hinter der SAP-Aktie in diesen Wochen.

Institutionelles Geld kauft, während die Bank warnt

Dass der weltgrößte Vermögensverwalter seine Position in einem Software-Schwergewicht wie SAP ausbaut, ist per se kein Paukenschlag – BlackRock hält an nahezu jedem großen europäischen Titel eine Beteiligung. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die Aufstockung fällt in eine Phase, in der der Konzern gerade mit einer holprigen KI-Bilanz kämpft.

Nur 17 von 200 geplanten Joule-Agenten waren bis vergangene Woche tatsächlich ausgeliefert, die Cloud-Bruttomarge sackte im zweiten Quartal erstmals seit 2021 ab. Wer in dieser Gemengelage aufstockt, wettet offenbar darauf, dass die Verzögerung ein Ausführungsproblem ist – kein strukturelles.

Der Insiderkauf passt in dieses Bild, auch wenn er mit einem Volumen von rund 304.000 Euro eher symbolischen Charakter hat. Insider kaufen selten aus Zufall in einer Phase, in der die Aktie unter Druck steht. Trotzdem sollte man solche Käufe nicht überinterpretieren: Sie sind ein Vertrauenssignal, kein Beweis, dass die operativen Probleme gelöst sind.

Die Zahlen hinter der Skepsis

Die UBS-Bewegung selbst ist bemerkenswert konstruiert: Herabstufung von Kaufen auf Neutral, gleichzeitig Anhebung des Kursziels von 164 auf 201 Euro. Das ist keine Verkaufsempfehlung, sondern ein Signal, dass viel Positives im Kurs schon eingepreist sei.

Die zugrunde liegenden Fakten stützen diese Zurückhaltung: Der Current Cloud Backlog war im zweiten Quartal zwar noch um 27 Prozent gewachsen, doch die Analysten erwarten eine Abkühlung in der zweiten Jahreshälfte. Für ein Unternehmen, dessen Bewertung stark auf dem Cloud-Wachstumspfad ruht, ist das eine berechtigte Sorge.

Gleichzeitig zeigen die Q2-Zahlen selbst wenig Anlass zur Dramatik: Cloud-Umsatz plus 22 Prozent, Cloud-ERP-Suite plus 25 Prozent, Gesamtumsatz plus 9 Prozent. Das ist solides Wachstum für einen Konzern dieser Größe – nur eben nicht mehr das margenstarke KI-Wachstum, das der Markt zuletzt gefeiert hatte.

Die nach unten angepasste Non-IFRS-Ergebnisprognose, bedingt durch Verwässerungseffekte aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs, unterstreicht, dass SAP für seine KI-Ambitionen aktuell bezahlt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Meine Einschätzung: Zwei Geschwindigkeiten, eine Aktie

Die Aktie selbst honoriert derzeit eher die optimistische Lesart. Mit einem Plus von heute 2,3 Prozent notiert SAP bei 185,20 Euro, rund 19 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und gut 9 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das spricht für eine Erholung, die sich seit dem Rückschlag im Sommer verselbständigt hat – getragen auch von einer branchenweiten Neubewertung von Software-Werten im Zuge der Workday-Übernahmegerüchte.

Unterm Strich sehe ich SAP an einem Punkt, an dem zwei Geschichten gleichzeitig wahr sein können. Die operative Substanz – Umsatzwachstum, Backlog, die strategischen Zukäufe in Richtung agentischer KI – rechtfertigt das Vertrauen von BlackRock und dem kaufenden Vorstandsmitglied.

Die Ausführungsschwäche bei Joule liefert zugleich den Stoff für die Zurückhaltung der UBS. Wer die Aktie hält, sollte nicht auf eine schnelle Auflösung dieses Widerspruchs hoffen. Die kommenden Quartale müssen zeigen, ob SAP die KI-Versprechen in echte Auslieferungen verwandelt – erst dann dürfte sich entscheiden, welche der beiden Lesarten sich durchsetzt.