Für SAP endet ein handfestes Kartellverfahren ohne Folgen – und das an einem Tag, an dem sich gleich mehrere Fäden im Aktionärsregister neu knüpfen. Das Bundeskartellamt hat die Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern wegen des Vorwurfs des Machtmissbrauchs beim Datenzugriff heute ohne Auflagen eingestellt. Wie Reuters und das Handelsblatt berichten, war das Verfahren ursprünglich durch eine Beschwerde des Wettbewerbers Celonis ausgelöst worden. Für SAP fällt damit ein regulatorisches Risiko weg, das die Diskussion um die Öffnung von SAP-Datenschnittstellen für Drittanbieter monatelang begleitet hatte.
Rückkaufprogramm läuft, BlackRock und Tschira bauen Positionen aus
Parallel zur Kartellamt-Entscheidung meldete SAP den ersten Zwischenstand seines Aktienrückkaufprogramms 2026. Zwischen dem 27. und 31. Juli erwarb das Unternehmen 2.184.430 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 157,62 Euro, das entspricht einem Volumen von rund 344,3 Millionen Euro. Der Rückkauf trifft auf ein Papier, das seit dem Tiefpunkt im Juli spürbar an Boden gutgemacht hat.
Gleichzeitig verschieben sich die Gewichte im Aktionärskreis. BlackRock überschritt am 30. Juli durch weitere Zukäufe die Meldeschwelle von 5 Prozent und hält nun 5,04 Prozent der Stimmrechte. Ankeraktionär Harald Tschira baute seinen Anteil über Bindungsverträge von 0,57 auf 4,22 Prozent aus. Bereits am 24. Juli hatte Vorstandsvorsitzender Christian Klein im Rahmen eines Eigengeschäfts SAP-Aktien im Wert von 325.219 Euro erworben. Solche Bewegungen deuten auf wachsendes Vertrauen großer wie einzelner Investoren in die aktuelle Geschäftsentwicklung hin.
Cloud-Geschäft treibt Zahlen, Prognose leicht angepasst
Basis dieses Vertrauens sind die Ergebnisse, die SAP am 23. Juli für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorlegte. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der Current Cloud Backlog, wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Die Clouderlöse selbst legten um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu, das Non-IFRS-Betriebsergebnis stieg um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr passte SAP die Prognose für das Non-IFRS-Betriebsergebnis leicht auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro an, zuvor waren 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro angepeilt. Als Grund nannte das Unternehmen Verwässerungseffekte aus den im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs.
Die leichte Prognosekürzung schmälert das Wachstumsbild kaum, zeigt aber, dass Zukäufe kurzfristig auf die Marge drücken, bevor sie zum Cloud-Backlog beitragen. Für Anleger bleibt entscheidend, dass das eigentliche Kerngeschäft – die Cloud-Migration der Bestandskunden – ungebremst Fahrt aufnimmt.
Analysten uneinig über Kursziel, Kurs erholt sich deutlich
Am Bewertungsbild scheiden sich die Geister. Jefferies bestätigte am 28. Juli sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf die Dynamik im Cloud-Abonnementgeschäft. Goldman Sachs senkte tags zuvor sein Kursziel von 230 auf 215 Euro, blieb aber ebenfalls bei „Buy“. Deutlich zurückhaltender fielen JP Morgan mit 175 Euro und UBS mit 164 Euro aus, während Berenberg und Deutsche Bank sich mit 205 beziehungsweise 200 Euro dazwischen einordnen – die Spanne der Kursziele reicht damit von 164 bis 215 Euro.
Der Markt selbst zeigt sich zuletzt deutlich zuversichtlicher als noch vor wenigen Wochen. Die Aktie notiert aktuell bei 168,18 Euro und legt damit im Tagesverlauf um 1,93 Prozent zu. Auf Monatssicht steht ein Plus von 19,58 Prozent zu Buche – eine spürbare Erholung, nachdem das Papier zwischenzeitlich deutlich unter Druck geraten war. Die kommende Quartalsmitteilung zum dritten Quartal ist für den 21. Oktober angesetzt und dürfte zeigen, ob sich das Cloud-Wachstum in diesem Tempo fortsetzt.
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