Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie startet mit 134,00 Euro in die neue Woche. Damit kratzt das Papier gefährlich nah am 52-Wochen-Tief von 132,26 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf knapp 34 Prozent.

Gegenwind durch Margendruck und Zinsen

Frischen Abwärtsdruck lieferte zuletzt Goldman Sachs. Die US-Investmentbank senkte ihre Prognose für die Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 leicht ab. Die Experten begründen den Schritt mit steigenden Hardwarekosten. Die Folge: Die Aktie rutschte an einem einzigen Tag um vier Prozent ab.

Parallel dazu belastet das makroökonomische Umfeld. Die US-Notenbank signalisiert unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh eher Zinserhöhungen als Senkungen. Goldman Sachs rechnet erst 2027 mit einer Lockerung. Das drückt die Bewertung von Wachstumstiteln spürbar.

Operative Stärke und Behörden-Deal

Die Fundamentaldaten zeichnen ein völlig anderes Bild. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft wuchs im ersten Quartal um 20 Prozent. Die währungsbereinigten Clouderlöse legten sogar um 27 Prozent zu. Auch der freie Cashflow überzeugte mit 3,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hält der Softwarekonzern an seinen Zielen fest.

Auf der Produktseite verbucht der Konzern strategische Erfolge. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erteilte eine wichtige Einsatzerlaubnis. SAP darf nun Verschlusssachen für Behörden in seiner Cloud verarbeiten. Das stärkt die Position bei regulierten Industrien enorm.

Hinzu kommt eine Entspannung beim EU-Kartellverfahren. Die befürchtete Strafe wegen möglicher Verstöße bei Wartungsdiensten rückt in weite Ferne.

Rückkaufprogramm läuft

Das Management steuert aktiv gegen die Kursschwäche. SAP kauft derzeit eigene Aktien für bis zu 2,6 Milliarden Euro zurück. Das aktuelle Paket gehört zu einem größeren Rahmenprogramm. Bis Ende 2027 fließen zweistellige Milliardenbeträge in Aktienrückkäufe. Den massiven Abwärtstrend stoppte diese Maßnahme bislang nicht.

Am 23. Juli legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal vor. Dann prüfen Investoren die Auftragsbücher ganz genau. Sie suchen nach konkreten Umsatzbeiträgen der neuen KI-Produkte. Analysten bleiben derweil optimistisch. Im Schnitt sehen sie das Kursziel bei rund 208 Euro.