SAP hat am heutigen Montag zwei Belastungen gleichzeitig abgeschüttelt: Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern beendet, ohne ein Missbrauchsverfahren einzuleiten.
Parallel dazu bestätigte das Unternehmen, sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm unverändert fortzusetzen. Die Kombination aus regulatorischer Entlastung und fortgesetzter Kapitalrückführung trifft auf eine Aktie, die sich seit ihrem Jahrestief bereits kräftig erholt hat.
Kurs nähert sich überkaufter Zone
Die SAP-Aktie notiert aktuell bei 178,30 Euro und bewegt sich damit kaum verändert gegenüber dem Vortag. Der eigentliche Trend zeigt sich erst im Rückblick: Innerhalb von 30 Tagen hat das Papier um 28,92 Prozent zugelegt.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 74,5 und damit spürbar in überkaufter Zone – ein Signal, dass die jüngste Rally an Tempo eingebüßt haben könnte, auch wenn der Aufwärtstrend seit dem Jahrestief intakt bleibt. Vom Jahresstart aus steht die Aktie dennoch weiterhin im Minus, die kurzfristige Erholung hat den Rückstand seit Jahresbeginn bislang nicht vollständig ausgeglichen.
Cloud-Geschäft liefert das Fundament
Hinter der Kurserholung steht ein operatives Geschäft, das im zweiten Quartal deutlich zulegte. Der Cloud-Auftragsbestand von SAP wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz stieg um 22 Prozent, das Cloud-ERP-Geschäft sogar um 25 Prozent.
Für 2026 stellt SAP ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro in Aussicht. Diese Zahlen liefern die fundamentale Basis für die Erwartung, dass der KI-getriebene Umbau des Cloud-Portfolios weiter Fahrt aufnimmt.
Am Kapitalmarkt gehen die Einschätzungen zu diesem Potenzial allerdings auseinander. Analysten sind sich über den weiteren Cloud-Hebel uneins, wobei die Mehrheit der Häuser positiv gestimmt bleibt: Sechs Einstufungen lauten auf Kaufen, eine auf Halten, eine auf Verkaufen.
Goldman Sachs zählt mit einem Kursziel von 215 Euro zu den optimistischsten Stimmen, während die DZ Bank mit einem Ziel von 120 Euro deutlich skeptischer bleibt und damit den Ausreißer nach unten markiert. Der durchschnittliche Zielkurs der Analysten liegt bei 198,43 Euro.
Kartellamt gibt grünes Licht
Die Entscheidung des Bundeskartellamts, seine Vorermittlungen ohne förmliches Missbrauchsverfahren einzustellen, nimmt SAP eine regulatorische Unsicherheit ab, die zuletzt auf der Bewertung lastete. In Kombination mit dem fortgesetzten Rückkaufprogramm signalisiert der Konzern damit doppelte Stabilität: rechtlich entlastet und weiterhin bereit, Kapital an Aktionäre zurückzugeben.
Der breitere Branchenkontext stützt das Bild einer Aktie, die von einem generellen KI-Aufschwung im deutschen Technologiesegment profitiert. Laut der Neuen Zürcher Zeitung zählen SAP und Atoss Software zu den Gewinnern der KI-Welle im HDAX und haben seit Mitte Juli beide um rund 20 Prozent zugelegt – während Siemens Energy und Infineon in derselben Zeitspanne mit gemischten Quartalszahlen aufwarteten.
Was das für Anleger bedeutet
Die Gemengelage aus regulatorischer Entlastung, robusten Cloud-Zahlen und einem fortgesetzten Rückkaufprogramm erklärt, warum die Aktie zuletzt Boden gutmachen konnte. Der überkaufte RSI-Wert mahnt jedoch zur Vorsicht: Nach einem Anstieg von knapp 29 Prozent binnen eines Monats dürfte die Luft für weitere schnelle Kursgewinne kurzfristig dünner werden.
Die gespaltene Analystenmeinung zwischen Goldman Sachs und der DZ Bank unterstreicht, dass die Bewertung des Cloud-Potenzials am Markt keineswegs einheitlich gesehen wird. Für Anleger bleibt damit die fundamentale Entwicklung des Cloud-Backlogs der entscheidende Gradmesser dafür, ob sich die Erholung fortsetzt.
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