Das Bundeskartellamt hat Ende Juli seine Vorermittlungen gegen SAP eingestellt und kein Missbrauchsverfahren eröffnet. Die Wettbewerbshüter kamen zu dem Schluss, dass Kunden und Partner über ausreichende technische Optionen für den Datenzugriff verfügen und die API-Richtlinie des Konzerns diese nicht einschränkt.
Auch bei Process Mining bescheinigten die Prüfer SAP wettbewerbskonforme Lizenzmodelle, einschließlich Varianten ohne die Tochter Signavio. Für den Softwarekonzern ist das eine regulatorische Entlastung nach längerer Unsicherheit über mögliche Auflagen.
Zwischen Kartellentwarnung und Kurszielsenkungen
Die Entscheidung der Behörde fällt in eine Phase, in der sich das Bild der Analysten eintrübt. Ende vergangener Woche strich JPMorgan die Kaufempfehlung für SAP und senkte das Kursziel auf 175 Euro. Als Begründung nannten die Analysten erwartete Rückgänge beim Current Cloud Backlog im Zuge der Cloud-Migration sowie Margenrisiken.
Am selben Tag reduzierten auch Kepler Cheuvreux das Kursziel auf 190 Euro und Jefferies ihre Zielmarke auf 230 Euro. Bereits Ende Juli hatte Barclays sein Kursziel von 255 auf 220 Euro gekappt, die Einstufung „Overweight“ aber beibehalten und dies mit kurzfristigen Kostenungewissheiten begründet.
Diese Skepsis steht im Kontrast zu den zuletzt vorgelegten Geschäftszahlen. Im zweiten Quartal wuchs der Current Cloud Backlog um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt legte er um 26 Prozent zu.
Die Cloud-Erlöse insgesamt stiegen um 22 Prozent, währungsbereinigt um 24 Prozent, während die Cloud-ERP-Suite mit einem Plus von 25 Prozent (währungsbereinigt 27 Prozent) noch stärker zulegte.
SAP bestätigte im Zuge der Zahlen seine Jahresprognose für die Cloud-Erlöse mit 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 23 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Non-IFRS-Betriebsergebnis rechnet der Konzern mit 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, wobei die Übernahmen von Dremio und Prior Labs den Ausblick um mehr als 100 Millionen Euro belasten.
Übernahmen treiben strategische Erweiterung voran
SAP hatte die Übernahme von Dremio Anfang Juli abgeschlossen, die von Prior Labs folgte Mitte des Monats auf Basis einer bereits im Mai geschlossenen verbindlichen Vereinbarung. Beide Zukäufe zielen auf den Ausbau der Datenplattform und KI-Fähigkeiten des Konzerns, belasten aber laut eigener Guidance kurzfristig die Marge – ein Punkt, den auch JPMorgan in seiner Begründung für die Herabstufung aufgriff.
Operativ zeigt sich SAP unterdessen weiter expansionsfähig: Der IT-Dienstleister NTT Data hat sich für eine globale HR-Transformation auf Basis von SAP SuccessFactors und der KI-Assistentin Joule entschieden, wie das Unternehmen Mitte August mitteilte.
Kurs deutlich erholt, aber unter Jahreshoch
An der Börse hat sich die Aktie von ihrem Jahrestief im Juli spürbar gelöst und notiert vorbörslich bei 186,80 Euro, nahezu unverändert zum Vortagesschluss von 186,98 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 24 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier aber weiterhin mit 11 Prozent im Minus.
Zum 52-Wochen-Hoch von 242 Euro aus dem vergangenen Oktober fehlen der Aktie noch 23 Prozent – ein Abstand, der die Diskrepanz zwischen operativem Wachstum und Marktbewertung verdeutlicht, die derzeit auch die Analystenhäuser unterschiedlich gewichten.
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