SAP hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal die eigene Wachstumsgeschichte untermauert – und dennoch schrauben mehrere Analysehäuser ihre Kursziele nach unten. Die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns zeigte sich davon zuletzt unbeeindruckt: Am Freitag schloss das Papier bei 178,66 Euro, ein Plus von 3,46 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage hat der Kurs um 29,31 Prozent zugelegt.
Cloud-Geschäft treibt das Ergebnis
Den Auftakt der aktuellen Nachrichtenlage bildeten die Quartalszahlen, die SAP am 23. Juli veröffentlichte. Der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Die Clouderlöse legten um 22 Prozent zu, währungsbereinigt um 24 Prozent, während die Erlöse der Cloud-ERP-Suite sogar um 25 Prozent stiegen. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 Prozent. Der Gewinn pro Aktie kletterte auf 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahresquartal – ein deutlicher Sprung, der die operative Verbesserung im Cloud-Geschäft widerspiegelt.
Zugleich passte SAP den Ausblick für das operative Ergebnis 2026 an. Grund ist der Verwässerungseffekt aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs, die in die Non-IFRS-Profitabilitätsplanung einfließen. Für Anleger bedeutet das: Das Wachstumstempo im Cloud-Geschäft bleibt hoch, doch die Integration der Zukäufe kostet kurzfristig Marge.
Analysten uneins nach den Zahlen
Die Reaktion der Analysten fiel gemischt aus. Barclays senkte das Kursziel am 28. Juli von 255 auf 220 Euro, verwies dabei auf kurzfristige Unsicherheiten bei den Kosten und beließ die Einstufung bei „Overweight“. JPMorgan-Analyst Toby Ogg reduzierte am 24. Juli sein Kursziel auf 175 Euro und bestätigte die bereits bestehende neutrale Einstufung der Aktie.
Weitere Häuser bewegten sich in eine ähnliche Richtung: Kepler Cheuvreux senkte sein Ziel auf 190 Euro, Jefferies auf 230 Euro, Evercore ISI auf 160 Euro bei unveränderter „In-Line“-Einstufung. Die DZ Bank blieb bei ihrer skeptischen „Sell“-Haltung und kürzte das Ziel von 130 auf 120 Euro. Berenberg nahm die Zielmarke am 28. Juli von 215 auf 205 Euro zurück, hält aber an der Kaufempfehlung fest. UBS bestätigte am selben Tag ihre Kaufempfehlung, nennt allerdings mit 164 Euro eines der niedrigeren Kursziele im Vergleich der Häuser. Die Bandbreite der Einschätzungen reicht damit von deutlich skeptisch bis klar optimistisch – Einigkeit besteht vor allem darüber, dass die Kostenseite genauer beobachtet werden muss.
Bemerkenswert ist, dass mehrere Kürzungen zeitlich mit der jüngsten Kursrally zusammenfielen. Während die Zielmarken sanken, gewann die Aktie an Wert – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Wachstumsdynamik im Cloud-Geschäft stärker gewichtet als die kurzfristigen Margenrisiken aus den Zukäufen. Automatisierte Bewertungsmodelle stufen die Aktie nach dem jüngsten Anstieg als überkauft ein, was kurzfristige Rückschläge nicht ausschließt.
Kartellamt stellt Vorermittlungen ein
Für regulatorische Entlastung sorgte eine Entscheidung des Bundeskartellamts, die SAP am 30. Juli in einer Mitteilung bekanntgab: Die Behörde leitet kein Kartellverfahren gegen den Konzern ein. Damit fällt ein potenzielles Risiko weg, das zuvor über dem Unternehmen schwebte, und schafft zusätzlichen Spielraum für die operative Entwicklung des Cloud-Geschäfts, ohne dass eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung im Raum steht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: starke operative Kennzahlen und ein bestätigtes Wachstumsmomentum im Cloud-Segment stehen einer vorsichtigeren Haltung mehrerer Analysehäuser gegenüber, die die Integrationskosten der jüngsten Zukäufe stärker gewichten. Die Kursreaktion der vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass der Markt derzeit dem Wachstumsargument mehr Gewicht gibt.
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