SAP hatte am Donnerstag ein neues Jahrestief erreicht. Am Freitag folgte die Kehrtwende: Die Aktie schloss mit einem Plus von 9,15 Prozent bei 140,80 Euro. Anleger feierten das Cloud-Geschäft – trotz einer Korrektur bei der Gewinnprognose.
Cloud-Wachstum übertrifft Erwartungen
Der Auslöser für den Kurssprung liegt im Cloud-Geschäft. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand stieg im zweiten Quartal 2026 um 27 Prozent auf 22,93 Milliarden Euro. Das übertraf die Markterwartungen deutlich.
Besonders die Cloud-ERP-Suite lieferte starke Zahlen. Ihre Erlöse kletterten um 27 Prozent auf 5,53 Milliarden Euro. Damit macht dieser Bereich fast 90 Prozent des gesamten Cloud-Umsatzes aus.
Die operativen Erfolge haben aber einen Haken. SAP senkt die Jahresziele für das Betriebsergebnis leicht. Der Konzern erwartet nun einen währungsbereinigten operativen Gewinn zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro, statt zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro. Grund dafür sind die Übernahmen der KI-Spezialisten Dremio und Prior Labs. Ihre Integration belastet kurzfristig die Marge.
Analysten uneinig über die Profitabilität
Die Reaktionen der Analysten fallen unterschiedlich aus. Charles Brennan von Jefferies bestätigt sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 210 Euro. Er wertet den starken Auftragsbestand als Beleg für robuste Nachfrage, die die Aktie nach den vorherigen Verlusten kurzfristig treiben sollte.
Toby Ogg von JPMorgan bleibt vorsichtiger. Er belässt seine Einstufung bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro und verweist auf die negative Überraschung bei der Marge. Das Jahresziel hänge nun stark davon ab, ob sich das Gewinnwachstum in der zweiten Jahreshälfte spürbar beschleunigt.
Die Deutsche Bank Research bleibt dagegen positiv gestimmt. Sie setzt ihr Kursziel auf 200 Euro.
Charttechnik zeigt Kaufsignal
Der Freitagsschlusskurs markiert auch charttechnisch einen wichtigen Punkt. Mit 140,80 Euro liegt die Aktie nun über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 144,01 Euro fast gleichauf – vor dem Sprung lag der Abstand noch deutlich im Minus. Binnen 24 Stunden entfernte sich das Papier über zehn Prozent von seinem Jahrestief bei 127,52 Euro.
Die langfristige Bilanz bleibt trotzdem angeschlagen. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 32,42 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 42,24 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 254,15 Euro fehlen der Aktie weiterhin knapp 45 Prozent.
KI-Strategie als nächster Prüfstein
Für die zweite Jahreshälfte 2026 richtet sich der Blick auf die Umsetzung der „Autonomous Enterprise“-Strategie. SAP will künstliche Intelligenz direkt in die Kernprozesse seiner Kunden einbauen. Die Zukäufe Dremio und Prior Labs belasten zwar aktuell die Marge, sollen aber langfristig die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Business AI sichern.
Ein weiterer Termin rückt näher: 2027 endet die Standardwartung für das Altsystem ECC 6.0. Das zwingt viele Bestandskunden schon jetzt zum Wechsel in Cloud-Verträge – ein Effekt, der SAPs Auftragsbestand in den kommenden Quartalen weiter stützen dürfte.
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