SAP kämpft mit KI-Erwartungen, so bringt es ein Kommentar zum heutigen Handelstag auf den Punkt. Und genau darin liegt für mich der Kern der Geschichte hinter dieser Aktie: Zwischen soliden Zahlen und einer nervösen Wachstumserzählung klafft eine Lücke, die der Markt noch nicht geschlossen hat.
Werfen wir zunächst den Blick auf das, was tatsächlich zählt. Die SAP Cloud ERP Suite wuchs laut Forrester im ersten Halbjahr um 30 Prozent zu konstanten Währungen – eine Zahl, die sich im Vergleich zu Wettbewerbern wie ServiceNow mit rund 19 Prozent Subskriptionswachstum durchaus sehen lassen kann. Das ist kein Nebensatz, sondern die eigentliche Substanz des Konzerns. Wer SAP nur über die KI-Debatte definiert, verkennt, dass das Kerngeschäft weiterhin liefert.
Die Cloud-Zahlen sprechen für sich – die Story tut es nicht
Und doch reicht das dem Markt derzeit nicht. Während Salesforce mit seinem Agentforce-Geschäft ein ARR von über 1,5 Milliarden Dollar und ein Wachstum von 240 Prozent gegenüber dem Vorjahr präsentiert und die eigene Jahresprognose auf 46,1 bis 46,4 Milliarden Dollar anhebt, wirkt SAPs KI-Erzählung im Vergleich zaghafter.
Genau das dürfte den Unterschied machen, den ich am heutigen Handelstag beobachte: Deutsche Softwarewerte zogen nach den Zahlen von Salesforce und CrowdStrike insgesamt an, SAP mit einem Plus von 1,4 Prozent – spürbar weniger dynamisch als Nemetschek mit 3,5 Prozent oder TeamViewer mit 3 Prozent. Für mich ist das ein Signal: Der Markt honoriert bei Softwarewerten aktuell vor allem die glaubwürdige KI-Story, nicht das reine Umsatzwachstum.
Auf der anderen Seite baut SAP still an genau dieser Story weiter. Die frisch verkündete Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Unternehmen SK AX, das im Rahmen eines Memorandum of Understanding seine AXgenticWire-ERP-Suite im SAP AI Agent Hub listen will, zeigt, dass Walldorf durchaus an agentischer KI in Fertigung, Finanzen und Energie arbeitet.
Solche Partnerschaften sind selten die großen Kurstreiber eines einzelnen Handelstages, aber sie tragen zur Substanz bei, die eine Aktie langfristig stützt.
Ein DAX-Umfeld, das nicht die ganze Wahrheit erzählt
Am heutigen Freitag notiert SAP bei 190,48 Euro und legt damit 1,1 Prozent zu – ein Kursniveau, das rund 22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 156,41 Euro liegt. Diese Distanz ist für mich der eigentlich interessante Punkt: Sie zeigt, wie stark sich die Aktie in den vergangenen Wochen bereits erholt hat, unabhängig vom heutigen Auf und Ab im DAX.
Der Gesamtmarkt lief am heutigen Tag ohnehin in Richtung Rekordhoch, getrieben von starken Nvidia-Zahlen und der Erwartung der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole – ein Umfeld, das SAP mitnimmt, ohne dass es die Aktie inhaltlich betrifft.
Bezeichnend fand ich zwischenzeitlich einen Kursrücksetzer im DAX-Handel am Mittag, als SAP zu den Verlierern zählte, während zyklische Werte wie RWE oder BMW liefen. Das bestätigt mein Bild: SAP wird derzeit weniger als eigenständige Wachstumsstory gehandelt, sondern eher als Beiwagen der allgemeinen Technologie- und KI-Debatte, angeführt von US-Größen wie Nvidia und Salesforce.
Mit der 30-Prozent-Wachstumsrate im Cloud-ERP-Geschäft hat SAP unterm Strich ein Argument, das für die Aktie spricht. Die Partnerschaft mit SK AX unterstreicht zudem, dass Walldorf seine KI-Agenda nicht dem Zufall überlässt.
Doch solange die Investorengemeinde die eigene KI-Erzählung als weniger überzeugend wahrnimmt als jene von Salesforce, dürfte SAP im Softwaresektor tendenziell hinter den dynamischeren Werten zurückbleiben. Für mich bleibt SAP damit ein Fall von „solide, aber nicht spektakulär“ – und genau das ist am heutigen Tag der Grund, warum die Aktie zwar mitläuft, aber nicht führt.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 28. August liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

