Die Zahlen zeigen zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Auf der einen Seite ein Cloud-Geschäft, das die Erwartungen klar übertrifft. Auf der anderen ein operatives Ergebnis, das enttäuscht. Für die SAP-Aktie reichte das am Freitagmorgen trotzdem zu einem kräftigen Erholungsversuch.

Im vorbörslichen Handel auf Tradegate zog der Kurs um 3,1 Prozent auf über 132 Euro an. Erst am Vortag hatte das Papier mit 127,50 Euro den tiefsten Stand seit November 2023 markiert. Charttechnisch bleibt die Lage aber angespannt: Die 50-Tage-Linie liegt weiterhin über dem aktuellen Kurs, und das Pivot-Hoch von Anfang Juli markiert eine Hürde, die noch nicht genommen ist.

Cloud-Auftragsbestand übertrifft Konsens deutlich

Der Current Cloud Backlog, also der gesicherte Auftragsbestand für die kommenden zwölf Monate, kletterte währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Analysten hatten im Konsens nur mit 22,1 Milliarden gerechnet. Der Cloud-Umsatz legte währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu und übertraf damit ebenfalls die Erwartung von 6,25 Milliarden.

Vorstandschef Christian Klein führt das Wachstum auf die Strategie des „autonomen Unternehmens“ zurück — mit der SAP Autonomous Suite und der Business AI Platform als zentrale Bausteine. Finanzvorstand Dominik Asam betonte die disziplinierte Umsetzung trotz eines unbeständigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds.

Beim operativen Ergebnis reichte es dagegen nicht. Non-IFRS stieg es währungsbereinigt nur um 9 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro, der Konsens hatte bei 2,88 Milliarden gelegen. Die operative Marge fiel auf 27,8 Prozent von 28,5 Prozent im Vorjahr — auch das unter der erwarteten Marke von 29,4 Prozent. Unter dem Strich verdiente der Konzern nach IFRS 2,2 Milliarden Euro, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Übernahmen drücken auf die Jahresprognose

Die Wachstumsprognose fürs Cloud-Geschäft bestätigte SAP unverändert bei 23 bis 25 Prozent währungsbereinigt. Beim operativen Gewinn schraubte der Konzern die Erwartung dagegen von zuvor 14 bis 18 Prozent auf nun 13 bis 17 Prozent Wachstum zurück, auf ein Ziel von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Grund ist ein Verwässerungseffekt aus den im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs, den SAP auf 100 Millionen Euro beziffert.

Die Analystenreaktionen fallen gemischt, aber überwiegend konstruktiv aus. Jefferies-Analyst Charles Brennan wertet den starken Auftragsbestand als Beleg für eine robuste Nachfrageentwicklung im zweiten Quartal und traut der Aktie eine Erholungsrally zu. Bloomberg Intelligence hält den Jahresausblick angesichts der starken Backlog-Zahlen sogar für konservativ. Evercore ISI spricht von einem „konstruktiven Quartal“, das nach dem deutlichen Kursrückgang seit Jahresbeginn „weitgehend gut genug“ sei. Morgan Stanley bestätigte sein Overweight-Rating und verwies auf die höheren Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen als Hauptgrund für das schwächere operative Ergebnis.

Ob die Kursreaktion trägt, entscheidet sich am Pivot-Hoch von Anfang Juli. Erst ein Ausbruch über diese Marke würde die seit Monaten anhaltende Schwächephase der Aktie technisch infrage stellen.