SAP steckt in der Warteschleife. Die Aktie notiert bei 138,74 Euro und verliert am Freitag 1,64 Prozent. Bis zum Quartalsbericht am 23. Juli 2026 schweigt der Konzern offiziell zur Geschäftslage — die sogenannte Quiet Period lässt Anleger ohne frische Signale zurück.

Der Kurs bewegt sich nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das SAP erst am 25. Juni markiert hat. Diese Nähe zum Tief ist kein Zufall. Sie zeigt, wie nervös der Markt vor dem Termin in der kommenden Woche ist.

Die entscheidende Frage

Im Kern geht es um eine Zahl: die Cloud-Wachstumsrate. SAP hält bisher an seiner Prognose für 2026 fest. Demnach sollen die Clouderlöse währungsbereinigt zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro liegen, ein Plus von 23 bis 25 Prozent.

Bereits im ersten Quartal hatte das Management gewarnt. Positive Sondereffekte hätten das Wachstum begünstigt, im zweiten Quartal werde sich das Tempo voraussichtlich abschwächen. Die Frage ist nun, wie stark diese Abschwächung ausfällt — und ob Anleger sie als normale Normalisierung oder als Bruch der Wachstumsstory lesen.

Bullisches Szenario

Die Fundamentaldaten aus dem ersten Quartal sprechen für SAP. Der Konzern übertraf die Gewinnerwartungen: Das Ergebnis je Aktie lag bei 1,66 Euro, erwartet waren 1,64 Euro, im Vorjahr waren es 1,52 Euro. Der Cloud-Umsatz wuchs währungsbereinigt um 27 Prozent auf 5,96 Milliarden Euro — schneller als im Quartal davor.

Auch der Ausblick auf das Gesamtjahr macht Mut. Der freie Cashflow soll bei aktuellen Wechselkursen auf rund 10 Milliarden Euro steigen, nach 8,24 Milliarden Euro im Jahr 2025. Strategisch hat SAP mit dem Kauf von Dremio seine KI-Datenstrategie ausgebaut. Die Übernahme soll die Datenbasis für KI-Anwendungen verbessern.

Für das zweite Quartal rechnen 17 Analysten mit deutlichem Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Im Schnitt erwarten sie einen Umsatz von 9,85 Milliarden Euro, verglichen mit 9,03 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Auch regulatorisch entspannt sich die Lage: Die EU-Kommission hat ihre Wettbewerbsprüfung zu On-Premise-Wartungsrichtlinien per Verpflichtungsbeschluss abgeschlossen. SAP begrüßte diesen Schritt ausdrücklich.

Bärisches Szenario

Dem stehen handfeste Risiken gegenüber. Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen. Der Kurs liegt 21,33 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 176,35 Euro — ein Signal für einen intakten mittelfristigen Abwärtstrend. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 33,41 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 47,79 Prozent.

Operativ hinterließ das erste Quartal bereits Spuren. Eine Zahlung von 408 Millionen Euro zur Beilegung des Rechtsstreits mit Teradata belastete den operativen Cashflow und den freien Cashflow. Die von SAP selbst angekündigte Wachstumsabschwächung im Cloud-Geschäft bleibt ein Risiko für die zweite Jahreshälfte.

Hinzu kommt ein politischer Unsicherheitsfaktor. SAPs Ausblick für 2026 setzt eine Deeskalation im Nahost-Konflikt voraus. Eine Verschärfung der Lage könnte das Geschäft spürbar belasten. Auch die von der EU-Kommission erlaubte längere Nutzung bestehender On-Premise-Systeme birgt ein Risiko: Sie könnte den Wechsel vieler Kunden zu profitableren Cloud-Angeboten verzögern.

Ausblick

Solange die Aktie in der Nähe des 52-Wochen-Tiefs bei 130,80 Euro verharrt und unter ihren gleitenden Durchschnitten notiert, dürfte der Markt vorsichtig bleiben. Anleger warten auf ein klares Signal.

Bestätigt SAP am 23. Juli seine Jahresziele und liefert einen belastbaren Ausblick auf das zweite Halbjahr, könnte das Vertrauen zurückkehren. Eine technische Bodenbildung oberhalb des jüngsten Tiefs wäre dann denkbar. Enttäuscht der Bericht bei Cloud-Wachstum oder Ausblick, dürfte die Aktie ihr jüngstes Tief erneut testen.

Der nächste Katalysator ist damit klar terminiert. Am 23. Juli entscheiden die Aussagen zu Cloud-Dynamik, Margen und freiem Cashflow über die kurzfristige Richtung der Aktie.