Starke Quartalszahlen reichen SAP derzeit nicht als überzeugendes Börsenargument. Gestern rückte nach der Ergebnisvorlage vor allem eine offene Frage in den Vordergrund: Wie konkret lässt sich der wirtschaftliche Nutzen künstlicher Intelligenz beziffern? Fehlende Kennzahlen zur Monetarisierung von KI und die vorsichtige Einordnung des Ausblicks wurden als Gründe für die verhaltene Marktreaktion genannt.

Nach anfänglichen Gewinnen gab die Aktie gestern im schwachen Gesamtmarkt nach. Laut dpa-AFX belasteten Sorgen, dass Gegenwind die positiven Geschäftszahlen und die leicht angehobene Prognose überlagern könnte. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit nicht allein auf das Wachstum, sondern auch auf dessen weitere Absicherung.

Cloud-Wachstum liefert die operative Basis

SAP meldete für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg der Cloud-Umsätze um 26 %. Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand wuchs um 28 %. Diese Entwicklung liefert einen operativen Gegenpol zu den Zweifeln an der Börse.

Der Auftragsbestand ist dabei ein wichtiger Anhaltspunkt für das vertraglich abgesicherte Cloud-Geschäft. Er beantwortet allerdings nicht dieselbe Frage wie konkrete Angaben zu zusätzlichen Erlösen aus KI-Angeboten. Genau diese Unterscheidung prägt die Einordnung der Ergebnisse.

Der aktuelle Cloud-Auftragsbestand erreichte nach Unternehmensangaben 24,1 Mrd. Euro. SAP bestätigte zudem den Ausblick für das operative Ergebnis. Wachstum im Cloud-Geschäft und zusätzliche Ergebnisfantasie durch KI bleiben damit getrennte Prüfsteine für Anleger.

Kunden verlangen nachvollziehbare KI

Finanzchef Dominik Asam sagte Reuters gestern, Kunden fragten verstärkt nach der Herkunft und den Kontrollregeln von KI-Modellen. SAP integriere mehr als 70 Modelle verschiedener Anbieter. Für die Kundengespräche zählen damit neben den Einsatzmöglichkeiten auch Nachvollziehbarkeit und Steuerung.

Dazu passt die am 28. September vertiefte Zusammenarbeit mit NVIDIA. Beide Unternehmen wollen die Kontrolle und Sicherheit überprüfbarer KI-Agenten in Unternehmenssystemen stärken. Das adressiert die von Asam beschriebenen Anforderungen, liefert aber noch keinen konkreten Maßstab für zusätzliche KI-Erlöse.

Auch die Produktentwicklung läuft weiter. Am 8. Oktober kündigte SAP Erweiterungen für Joule Assistants und neue Joule Agents für das autonome Lieferkettenmanagement an. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Analysten bewerten die Perspektiven unterschiedlich

Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte gestern seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 220 auf 250 Euro. Beim Cloud-Vertragsbestand hielt er ein Wachstum von 24 % im vierten Quartal für erreichbar.

Die Zuversicht ist unter Analysten allerdings nicht einheitlich. Höhere Bewertungsansätze bedeuten nicht automatisch eine positive Anlageempfehlung.

Die DZ Bank hob gestern den fairen Wert von 120 auf 170 Euro an, bestätigte aber ihr Verkaufsvotum. Für SAP-Anleger bleibt somit die zentrale Trennlinie bestehen: Das Cloud-Geschäft liefert Wachstum. Für eine belastbarere Bewertung der KI-Chancen braucht es dagegen konkrete wirtschaftliche Kennzahlen.