Juli um 22:05 Uhr MESZ die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026, im Anschluss folgt um 23:00 Uhr die Analystenkonferenz. Der Termin fällt in eine Phase, in der der Konzern gleich mehrere strategische und regulatorische Baustellen abgeschlossen hat – während der Aktienkurs seit Jahresbeginn kräftig unter Druck steht. Am Freitag schloss das Papier bei 138,50 Euro, ein Minus von 1,81 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresanfang steht damit ein Rückgang von 33,53 Prozent zu Buche.
EU beendet Kartellverfahren, Dremio-Übernahme abgeschlossen
Einen zentralen regulatorischen Meilenstein markierte die Einigung mit der EU-Kommission. Anfang Juli stellte die Behörde das Kartellverfahren zu SAPs Wartungs- und Supportpraktiken offiziell ein. Im Gegenzug verpflichtet sich SAP für zehn Jahre zu Auflagen, darunter der Verzicht auf Reaktivierungsgebühren bei On-Premise-Lösungen. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe begrüßte die Einigung: Ihr Fachvorstand Michael Bloch sieht in den neuen Zusagen eine gestärkte Wahlfreiheit der Kunden bei Wartung und Support.
Parallel dazu schloss SAP Anfang Juli die Übernahme von Dremio ab, einem Anbieter einer Data-Lakehouse-Plattform. Die Akquisition soll die Datenintegration für Kunden verbessern und die „Agentic AI“-Fähigkeiten des Konzerns beschleunigen – ein Baustein der KI-Strategie, deren Monetarisierung Analysten derzeit besonders genau beobachten. Seit dem 22. Juni befindet sich SAP zudem in der „Quiet Period“ vor den Halbjahreszahlen; bis zum Berichtstermin äußert sich das Management nicht mehr zur operativen Geschäftsentwicklung.
UBS senkt Kursziel, JPMorgan bleibt vorsichtig
Die Kursreaktion der vergangenen Wochen spiegelt sich auch in der Analystenmeinung wider. UBS-Analyst Michael Briest senkte Mitte Juli das Kursziel für SAP von 205,00 auf 164,00 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“. Als Begründung nannte er die hohe Komplexität und die verzögerte Monetarisierung von KI-Agenten bei Großkunden – ein Hinweis darauf, dass die Umsetzung der Agentic-AI-Strategie langsamer voranschreitet als ursprünglich erwartet.
JPMorgan positionierte sich zurückhaltender: Die US-Bank stufte SAP kurz vor den Zahlen mit „Neutral“ ein und setzte das Kursziel bei 175,00 Euro an. Morningstar-Analyst Rob Hales verwies in einer Einschätzung Mitte Juli auf einen Fair Value von 265,00 Euro, machte zugleich aber auf makroökonomische Risiken für IT-Budgets aufmerksam – ausgelöst durch den Iran-Konflikt und branchenweite Sektor-Rotationen weg von Technologiewerten.
Cloud-Wachstum und Aktienrückkauf im Blick
Im Zentrum der bevorstehenden Zahlen steht das Cloud-Geschäft: Der Marktkonsens erwartet ein Wachstum von 22 Prozent. Ob SAP diese Marke erreicht oder sogar übertrifft, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, wie der Markt die KI-Monetarisierung nach der Dremio-Integration einschätzt. Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm 2024/2025 mit einem Gesamtvolumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro planmäßig aus – der Abschluss ist für Ende Juli 2026 vorgesehen und dürfte dem Kurs zumindest technische Unterstützung bieten.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit nur noch rund 5,89 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, das Ende Juni markiert wurde. Der Abstand zum Jahreshoch von 265,75 Euro aus dem Juli 2025 ist damit erheblich geschrumpft. Für Anleger dürfte der 23. Juli zeigen, ob die operativen Fortschritte bei Cloud und KI ausreichen, um die Stimmung nach einem der schwächsten Börsenjahre in der jüngeren SAP-Geschichte zu drehen.
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