Das neue 52-Wochen-Tief bei 130,80 Euro trifft SAP in einer Phase, in der externe Belastungen und strategische Unsicherheiten gleichzeitig auftreten. Jefferies senkt das Kursziel — hält aber an der Kaufempfehlung fest. Ein widersprüchliches Signal, das den aktuellen Zwiespalt um die Aktie gut beschreibt.

Jefferies bleibt optimistisch, senkt aber die Latte

Analyst Charles Brennan hat das Kursziel von 230 auf 210 Euro reduziert. Das Rating bleibt „Buy“. Der Grund liegt nicht bei SAP selbst, sondern im schwierigen Umfeld für europäische Softwarewerte generell.

Brennan erwartet, dass die anstehende Berichtssaison zum zweiten Quartal den Sektor kaum beflügeln wird. Investoren weichen derzeit in andere Technologiesegmente aus. Das drückt auf Titel wie SAP — die Aktie notiert weit unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von rund 183,79 Euro.

Brüssel mischt die Karten neu

Ausgerechnet aus der EU kommen konstruktive Signale. Die Kommission hat die Cloud-Sparten von Microsoft und Amazon vorläufig als „Gatekeeper“ im Sinne des Digital Markets Act eingestuft. Das könnte den Wettbewerb im Cloud-ERP-Markt grundlegend verändern.

Werden die strengeren Interoperabilitätsauflagen dauerhaft bestätigt, müssen die US-Konzerne den Plattformwechsel erleichtern. Marktbeobachter sehen darin eine Chance für SAP: Kunden könnten leichter auf die S/4HANA-Cloud migrieren, ohne an proprietäre Infrastruktur gebunden zu sein.

KI-Aussagen und laufende Rechtsstreitigkeiten

CEO Christian Klein hat in einem Interview die klassische Softwareentwicklung infrage gestellt. KI werde diese Prozesse zunehmend automatisieren. Langfristig winken Margengewinne — kurzfristig schüren solche Aussagen Fragen zur Personalstruktur.

Parallel läuft ein Kartellverfahren in den USA. Prozessanalytik-Anbieter Celonis klagt wegen unlauteren Wettbewerbs. Ein Bundesrichter hat die Vorwürfe zugelassen. Der Prozess beginnt am 7. Dezember 2026. Die EU-Kommission prüft zudem SAPs Verhalten im Wartungsgeschäft — Vorwürfe, die das Unternehmen bestreitet.

Halbjahresbericht am 23. Juli als nächster Prüfstein

SAP befindet sich aktuell in der Quiet Period vor den Halbjahreszahlen. Das Management schweigt, die Aktie reagiert stärker auf externe Einschätzungen. Am 23. Juli legt der Konzern seinen Halbjahresbericht vor.

Entscheidend wird der Cloud-Backlog sein. Im ersten Quartal lag er bei 21,9 Milliarden Euro. Das Cloud-Geschäft wuchs währungsbereinigt um 27 Prozent. Diese Zahlen müssen zeigen, ob das Wachstumstempo trotz Gegenwind hält — und ob die Aktie eine Neubewertung verdient.