JPMorgan hält heute an der neutralen Bewertung von SAP fest, obwohl sich die Stimmung gegenüber der Zeit vor den jüngsten Quartalszahlen verbessert hat. Analyst Toby Ogg sieht Anleger vor allem vor einer Frage: Sind die Risiken für das restliche Jahr 2026 und für 2027 inzwischen ausreichend berücksichtigt? Die Einschätzungen zum fairen Wert gehen deutlich auseinander.

Erholung überzeugt JPMorgan noch nicht

JPMorgan bestätigt die Einstufung „Neutral“ bei einem Kursziel von 175 Euro. Damit liegt die Zielmarke unter dem aktuellen Aktienkurs von 200,45 €. Die aufgehellte Marktstimmung reicht dem Analysehaus also nicht für eine Kaufempfehlung.

Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Eine bessere Stimmung bedeutet noch nicht, dass auch die Bewertung zusätzlichen Spielraum bietet. Oggs Einschätzung richtet den Blick deshalb auf die Belastbarkeit der Geschäftsaussichten statt allein auf die Erholung der Aktie.

Morningstar kommt zu einer deutlich günstigeren Bewertung. Das Analysehaus vergibt vier Sterne und beziffert den fairen Wert auf 265 Euro je Aktie. Während JPMorgans Kursziel unter dem Börsenkurs liegt, sieht Morningstar damit noch Aufwertungsspielraum.

Die Differenz ist keine bloße Nuance innerhalb eines einheitlichen Analystenbilds. Sie zeigt, wie unterschiedlich sich dieselben Wachstumsaussichten bewerten lassen. Entscheidend wird damit, ob SAP die Erwartungen an sein Cloud-Geschäft durch operative Fortschritte stützen kann.

Cloud-Wachstum als Bewertungsmaßstab

Zum Ende des zweiten Quartals 2026 lag der kurzfristig erwartete Cloud-Auftragsbestand bei 22,9 Milliarden Euro. Währungsbereinigt entsprach das einem Wachstum von 26 Prozent.

Dieser Auftragsbestand steht neben dem Cloud-Umsatz im Mittelpunkt der Erwartungen. SAP wächst in diesem Geschäft kräftig und baut zugleich seine KI-Plattform aus. Für die Bewertung zählt damit nicht allein die Aussicht auf zusätzliche Anwendungen, sondern auch das zugrunde liegende Geschäftswachstum.

Für das dritte Quartal 2026 erwartet der Analystenkonsens ein Cloud-Umsatzwachstum von 24 Prozent. Beim Cloud-Auftragsbestand liegen die Erwartungen bei einem Zuwachs von 24–25 Prozent.

Eine leichte Verlangsamung wäre dabei nicht automatisch eine Überraschung. Das Management hatte bereits ein etwas geringeres Wachstum des Cloud-Auftragsbestands gegenüber dem Vorjahr angekündigt. Für Anleger kommt es deshalb darauf an, die tatsächliche Entwicklung an diesen Erwartungen zu messen.

Zukäufe belasten den Gewinnausblick

Medienberichten zufolge belasten die Übernahmen von Dremio und Prior Labs den Gewinnausblick für 2026 um rund 100 Millionen Euro. SAPs Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis liegt bei 11,8–12,2 Milliarden Euro zu konstanten Währungen.

Damit stehen den Investitionen in zusätzliche Technologien zunächst Ergebnisbelastungen gegenüber. Für die Bewertung müssen Anleger also Wachstumsperspektiven und kurzfristige Kosten gemeinsam betrachten.

Mit den für den 21. Oktober angekündigten Quartalszahlen erhält diese Abwägung den nächsten Prüfpunkt. JPMorgans Zurückhaltung macht dabei deutlich: Eine Fortsetzung des Wachstums allein genügt nicht zwingend. Entscheidend ist auch, wie viel davon die Bewertung bereits voraussetzt.