Die SAP-Aktie notiert bei 139,08 Euro. Das liegt gut sechs Prozent über dem Tief der vergangenen 30 Tage. Ein regulatorisches Risiko ist gerade weggefallen, kurz bevor am Donnerstag die Halbjahreszahlen anstehen.
EU-Kommission beendet Kartellprüfung ohne Bußgeld
Die EU-Kommission hat ihr Kartellverfahren gegen SAP eingestellt. Ohne Strafe. Am 9. Juli 2026 gab der Konzern bekannt, dass Brüssel die Überprüfung der Wartungs- und Support-Richtlinien für On-Premise-Lösungen abgeschlossen hat.
Für Bestandskunden bringt das praktische Vorteile. Sie können künftig flexibler mit SAP verhandeln. Versteckte Reaktivierungsgebühren fallen weg.
Die Einigung hat aber eine Kehrseite. Kunden dürfen ihre alten On-Premise-Systeme länger nutzen als geplant. Das schafft Planungssicherheit für die Kunden — verzögert aber den Wechsel zu SAPs profitableren Cloud-Angeboten.
Analysten uneins: UBS vorsichtiger, Morningstar bullish
Nicht alle Marktstimmen passen zur guten Nachricht aus Brüssel. Die UBS senkte ihr Kursziel von 205 auf 164 Euro. Die Bank bleibt zwar optimistisch, wird aber deutlich vorsichtiger.
Der Grund: Die Monetarisierung von KI-Agenten in komplexen ERP-Systemen erweist sich als schwieriger als ursprünglich gedacht.
Morningstar-Analyst Rob Hales sieht das anders. Er taxiert den fairen Wert der SAP-Aktie auf 265 Euro und vergibt die Bestnote von fünf Sternen. Sein Argument: SAP verfügt über einen breiten Burggraben, das Unsicherheitsrating stuft er nur als mittel ein.
Cloud-Wachstum steht im Zentrum der Zahlen
Die kartellrechtliche Entlastung kommt zur richtigen Zeit. SAP veröffentlicht am 23. Juli 2026 um 22:05 Uhr die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr.
Im Fokus steht das Cloud-Geschäft. Der Konsens erwartet ein Cloud-Umsatzwachstum von 22 Prozent im zweiten Quartal. Beim Auftragsbestand im Cloud-Geschäft rechnet der Markt mit einem Plus von 23 bis 24 Prozent — etwas langsamer als die 25 Prozent, die SAP 2025 noch erreicht hatte.
Die Kostenseite rückt ebenfalls in den Blick. Bloomberg berichtete, SAP schränke Neueinstellungen außerhalb des KI-Bereichs sowie Dienstreisen ein. Die freiwerdenden Mittel fließen gezielt in KI-Investitionen.
Geopolitische Faktoren könnten die Prognosen zusätzlich belasten. SAPs Kundenstamm ist stark im verarbeitenden Gewerbe verankert. Diese Branche reagiert besonders sensibel auf den Krieg im Iran und steigende Energiekosten. Morningstar warnt: Sollte SAP von spürbar längeren Verkaufszyklen sprechen, würde das Zweifel an der Jahresprognose 2026 nähren — und den Kurs empfindlich treffen.
Ein regulatorisches Risiko ist vor der Berichtssaison verschwunden. SAP hält trotz schwierigem Börsenumfeld bislang an seinen Jahreszielen fest. Ob diese Prognose Bestand hat, entscheidet sich vor allem am Cloud-Geschäft im zweiten Halbjahr — die Zahlen am Donnerstag liefern die ersten Antworten.
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