SAP wird zwei Kartellverfahren auf einmal los. Das Bundeskartellamt stellte am 30. Juli 2026 seine Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern ein. Ein förmliches Missbrauchsverfahren blieb aus. Bereits am 9. Juli hatte die EU-Kommission ihr eigenes Verfahren durch verbindliche Zusagen von SAP beigelegt.
Diese doppelte Entlastung stützte den Kurs vor dem Wochenende. Die Aktie legte am Freitag um 1,65 Prozent zu und schloss bei 159,40 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von 183,75 Milliarden Euro bleibt SAP ein Schwergewicht im DAX.
Trotz der guten Nachrichten bleibt die Bilanz der letzten Monate hart. Seit Jahresbeginn steht ein Kursminus von 23,91 Prozent zu Buche. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Verlust sogar 36,66 Prozent.
Die entscheidende Frage: Cloud-Wachstum oder Investitionsbremse?
Für den weiteren Kursverlauf zählt vor allem eine Frage. Reicht das operative Momentum im Cloud-Geschäft, um die Aktie trotz einer leicht gedämpften Gewinnprognose weiter nach oben zu tragen?
SAP meldete im zweiten Quartal 2026 ein zweistelliges Cloud-Wachstum. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, das Current Cloud Backlog, beschleunigte sich spürbar. Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs drücken allerdings kurzfristig auf die Marge. Das Management musste die bereinigte operative Ergebnisprognose für das Gesamtjahr deshalb leicht anpassen.
Anleger wägen damit zwei Kräfte gegeneinander ab. Auf der einen Seite steht die anhaltende Migration der Kunden in die Cloud vor dem Support-Ende älterer On-Premise-Lösungen im Jahr 2027. Auf der anderen Seite steht die Sorge vor einer Abkühlung der weltweiten IT-Ausgaben.
Bullisches Szenario: Aufholjagd Richtung 200-Tage-Linie
Der Sektor liefert Rückenwind. Zuletzt bestätigten die starken Quartalszahlen der US-Hyperscaler wie Amazon mit AWS den ungebrochenen Bedarf an Cloud-Infrastruktur. SAP profitiert zusätzlich vom Support-Ende der alten On-Premise-Software im Jahr 2027. Viele Kunden müssen ihre Migration deshalb beschleunigen.
Charttechnisch hat sich das Bild deutlich aufgehellt. Die Aktie legte in den vergangenen 30 Handelstagen um 13,45 Prozent zu. Damit hat sie sich bereits gut ein Viertel von ihrem 52-Wochen-Tief bei 127,52 Euro vom 23. Juli gelöst.
Das ist eine kräftige Erholung nach schwachen Wochen.
Der Kurs liegt nun 10,32 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 144,49 Euro. Auch die 100-Tage-Linie bei 147,05 Euro hat die Aktie hinter sich gelassen.
Der Relative-Stärke-Index steht bei 64,1 Punkten. Das Papier gilt trotz der jüngsten Gewinne noch nicht als überkauft. Raum für weitere Zuwächse bis zum 200-Tage-Durchschnitt bei 174,67 Euro scheint vorhanden.
Bärisches Szenario: Das Gewicht des Abwärtstrends
Trotz der Erholung bleibt das übergeordnete Bild angeschlagen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 258,60 Euro, erreicht Ende Juli 2025, trennen die Aktie weiterhin 38,36 Prozent.
Ein zentrales Risiko bleibt die Profitabilität. Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs belasten kurzfristig die Marge. Branchenanalysten weisen zudem darauf hin, dass die enormen KI-Investitionen der Wirtschaft bislang nicht die erhofften Produktivitätsgewinne liefern. Sollte sich hier eine „KI-Müdigkeit“ einstellen, könnten Unternehmen ihre Software-Budgets kürzen. Das würde das Cloud-Wachstum von SAP bremsen.
Charttechnisch liegt die Aktie noch immer 8,74 Prozent unter dem langfristig richtungsweisenden 200-Tage-Durchschnitt von 174,67 Euro. Das bestätigt den übergeordneten Abwärtstrend. Hinzu kommt eine annualisierte Volatilität von 49,19 Prozent – ein Zeichen für das anhaltend unruhige Fahrwasser, in dem sich der Titel bewegt.
Ausblick: Stabilitätstest in der neuen Handelswoche
Entscheidend für die kommende Handelswoche wird sein, ob SAP das positive Momentum über der Marke von 144,49 Euro – dem 50-Tage-Durchschnitt – halten kann. Bleibt der Kurs im Bereich des letzten Schlusskurses von 159,40 Euro, spricht vieles für einen weiteren Test der 200-Tage-Linie bei 174,67 Euro.
Rutscht die Aktie dagegen unter die 100-Tage-Linie bei 147,05 Euro, dürfte das eine neue Schwächephase einläuten. Der Fokus dürfte sich dann rasch wieder auf das Jahrestief bei 127,52 Euro richten.
Der nächste konkrete Prüfstein folgt im Herbst 2026, wenn SAP die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürften vor allem Daten zur globalen IT-Investitionsbereitschaft und weitere Berichte aus dem Tech-Sektor die Richtung vorgeben.
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